Ein besonderes Aufräumen..

Das Leben ist manchmal etwas verwunderlich, und obwohl ich bald 74 werde, verstehe ich  es nicht immer. Habe jetzt eine Weile mit der Grippe im Bett gelegen (ja, man nimmt was man hat..). Fieber, matt, nachts ohnmächtig auf den Boden gelandet, der so elendig kalt war und erst nach langer Zeit so viel Kraft mobilisieren können, dass ich in mein kuscheliges Bett wieder kam. Aber ok – es war keine Grippe, es war/ist eine heftige Bronchitis, aber die Grippe hört sich doch etwas dramatischer an.

Aber jetzt hatte ich es satt, sinnlos leidend hier in der Wohnung herumzuschleichen (bei 55 qm ein Kunststück) und hatte einen ausgezeichneten Therapieplan – ich setzte mich vor meiner Speisekammer, zwei IKEA-Schränke mit allem, was Frau essensmässig so braucht, und fing mit dem „Sterberäumen“ auf. (Das ist ein wunderbares Wort aus der schwedisches Sprache. Man räumt auf, damit die Nachkommen nicht so viel Arbeit damit haben).130 cm kontrolliert immer, ob alles noch haltbar ist und rügt mich – ein Glück, dass ich ihr zuvorgekommen bin, hatte antike Packungen aus 2016!! Das Enkelkind hätte sich vor Ekel gewindet. Meine Versuche ihr zu erklären, dass es nicht lebensbedrohlich ist, scheitern. Der besondere Korb mit den Süßigkeiten wird akribisch immer auf Haltbarkeit untersucht, und sie widersteht jede Versuchung, womöglich ein Kaugummi aus Januar 2018 zu verzehren. Das nenne ich Charakter!

Aber da saß ich auf dem Boden vor meinen IKEA-Schränken und fühlte mich durch mein Sterberäumen sofort viel gesünder!  Und schickte einen liebevollen Gedanken an meine Favvo-Schriftstellerin Bodil Malmsten  „ Wir die leben, sind nur Tote im Urlaub. So eine Art Sommer-Gäste“. Sie hat uns als Sommergast leider schon verlassen.

Liebe Bodil! Fühle mich dennoch gleich etwas gesünder!

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Oh Berlin…

Oh Berlin, meine Liebe zu Dir wird wirklich auf den Prüfstand gestellt, wenn ich sowas sehe! Das hier ist ein winterfest gemachter Trinkwasserspender, den wir im letzten Sommer mit viel Mühe in Berlins Sparwahnsinn doch bekamen. Was sind das bloß für Menschen, die sich so verhalten? Sowas von asozial, dass ich mit meiner Liebe zu Dir hadere!

Da bin ich schon wieder!

Ja, ich kann wirklich sagen, dass ich „von den Toten auferstanden bin“, wer kann das schon? Hier bin ich wieder! Endlich wieder zu Hause nach gefühlten Monaten. Ok, es ist Anfang Dezember passiert und jetzt haben wir Anfang Februar. Zwei Monate, die sich wie Jahre anfühlen. Aber soll nicht klagen. Ich habe solch ein Glück gehabt, dass ich wirklich nicht weiß, wie ich das verdient habe. Ob der liebe Gott sich geirrt hat, vielleicht wollte er einem anderen Menschen was Gutes antun?

Teils tröste es mich, teils beunruhigt es mich, wenn ich über die Folgen vom Herzstillstand lese. Alles von miserabler Konzentration – ok, war ja nie Weltklasse bei mir -, Depression und anderen nicht allzu schönen Sachen. Ich spüre am meisten die schlechte Kondition. War ja in der Reha und die Götter in Weiß haben uns immer wieder gepredigt, dass BEWEGUNG für uns Herzler lebenswichtig ist. Mindestens 10 000 Schritte am Tag mit einem Spurt von 30 Minuten. An einigen Tagen ist es wie verflixt – so ein Tag ist heute. Obwohl ich mit hängender Zunge die 10 000 Schritte geschafft habe so würde  der Spurt von 30 Minuten mich heute definitiv umbringen. Oh ich vergaß, mein ICD sollte mich wieder ins Leben zurückholen.

Fehlende Konzentration und kognitive Fähigkeiten. Oh, oh, nicht Gutes für meine Übersetzerei!. Erwarte einen Schwall von Klagen und kontrolliere und kontrolliere bis ich fast blind werde. Depression ist ja auch nicht so was, was man sich so wünscht und klar, wenn ich im Internet über Herzstillstand und die Folgen lese oder wenn jemand was besonderes Nettes zu mir sagt, dann fangen die Tränen an zu laufen. Habe verdammt noch mal irgendwie die Macht über meine Tränenkanäle verloren und als ältere/alte Frau ist das ja schon etwas peinlich. Heult die einfach los, die Alte. Aber liebe Freunde und Freundinnen, das haltet Ihr aus oder? Ihr wunderbare Menschen, die mich in der schweren Zeit so gestützt haben.. Ich danke Euch dafür!

 

Bild mathiassener/fotolia

Wie es ist, ein bisschen zu sterben..

Ich dachte immer, dass man am Ende des Tunnels ein Licht sieht, dass man himmlische Harfe und Trompeten hört, wenn man stirbt. Jetzt kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Nach 11 Minuten Tod-sein, so ist das einzige, woran ich mich erinnere: Ein schwarzer Karton. ich weiß nicht in welchem Zusammenhang –  nur ein schwarzer Karton. Aber vielleicht ist es so, wenn man wieder ins Leben zurückgeholt wird, es „gilt“ nicht als echter Tod.  Und klar habe ich mehrmals darüber nachgedacht, warum ich eigentlich nicht sterben durfte. Es war ja ein Tod, von dem viele Menschen träumen und für mich, bald 74 nicht so abwegig und ich hätte ja nicht traurig sein können, denn ich war ja schon tot. Aber ich habe etwas dazu gelernt: das es egoistisch ist von mir, ich habe gelernt dass ich eine Familie habe, wunderbare Töchter und Schwiegersöhne, wunderbare Enkelkinder, eine wunderbare Schwester und das es von mir nicht so super wäre, mich so einfach aus den Staub zu machen.  Ohne diese Menschen und alle Freunde, die mich ins Leben zurückgewünscht haben, wäre ich gerne gestorben, aber ich habe jetzt einiges dazugelernt und habe jetzt vor, mich noch etwas an diesem Leben festzuklammern.

Hab ein bisschen Sorge, dass ich mein „Glückssoll“ verbraucht habe. In Melanders vorzüglichem Fischrestaurant in Täby Center zu sitzen – das nächste Mal setze ich mich nicht auf die hohen Stühle, es war eine blutige Angelegenheit als ich dort auf den Marmorboden gelandet und einfach mausetot war. Dass ein pensionierter Kardiologe aus dem Krankenhaus neben mir saß, dass er schnell einen Defibrillator in Gang bekam, dass der Krankenwagen mit fähigem Personal schnell da war und mich schnell ins Krankenhaus brachten.  Dass ich schnell runtergekühlt, ins Koma gelegt und nach einigen Tagen vorsichtig ins Leben zurückgeholt wurde. Immer mit der bangen Frage: Wieviel vom Gehirn ist kaputt gegangen? Tag für Tag arbeiteten sie mich und ich mich nach oben. Danke an meine Familie, die ständig an meinem Bett saß und einfach Wange oder Hand streichelte.

Nicht die Kraft haben, ein Finger zu heben, sich womöglich etwas seitlich drehen, was eh teuflisch weh tat nachdem die Rippen nach der Herzmassage lädiert waren. Hatte immer den Weihnachtswerbelaster von Coca-Cola vor mir, das Gefühl, als würde er mich jetzt  überfahren.  Nur nicht husten müssen was bei einer heftigen Lungenentzündung zwangsläufig ist, mich gar nicht bewegen.

So, jetzt habe ich eine Runde ums Haus gedreht und nach meiner Reha, die in 2 Wochen beginnt, hoffe ich wieder Mensch zu werden. Vielleicht nicht so ganz, aber doch ein bisschen.. Danke an alle, die an mich gedacht haben.. Es war eine gute Erfahrung.

Foto Datei 96413985  Urheber 2017

Das ist Berlin..

Neu in Berlin? Lektion 1: Hier fackeln wir nicht lange mit Höflichkeiten und solch unnützen Dingen  herum. Nimm´s nicht persönlich – bist in guter Gesellschaft. Wir sind viele Nicht-Berliner, die mit der Zack-Pang-Boom-Art etwas hadern..  Man hätte ja auch – vielleicht, eventuell – schreiben können: “ Liebe Kunden, ab sofort müssen wir leider pro Tragetasche 0,10 € berechnen“, aber nee – ZACK AB SOFORT – SONST KNALLT´S!!!

Siehe da..

Auf auf der anderen – guten – Seite der Bernauer Straße, dort wo die guten, kreativen, wohlbestellten wohnen, auch dort pflegt man die Sitte „ich stelle den Billy einfach auf die Strasse und mache die Augen zu, vielleicht hat er sich bis morgen verdünnisiert“.. Tröstet mich, dass man in dem feinen Kiez auch nur mit Wasser kocht..

Berlin – die Stadt der Treppen

Wenn Du in Berlin wohnst musst Du eine eiserne Kondition in den Beinen haben. D.h. wenn Du die Öffentlichen nutzt. Diese Stadt ist nicht nur die Stadt der Brücken – hast Du wohl gedacht, dass das Venedig ist? FALSCH! – sondern auch der Treppen. Selbst nutze ich nur die Öffentlichen und am liebsten habe ich die U-Bahn. Sie ist pünktlich, funktioniert (was in dieser Stadt alles anders als selbstverständlich ist..)  und wenn die Berlinkälte im Winter so richtig ekelig in die Knochen hineinkriecht, warm. Aber auch weil die Chefin dieses riesigen Unternehmens eine FRAU ist! Und stellt Euch mal vor – sie, Sigrid Nikutta, hat außerdem FÜNF Kinder! Pah! Und was ist denn damit so merkwürdig? Doch Sensation in diesem Land, in dem die Frauen meistens brav zu Hause sitzen und mit fester Hand die Karriereleiter ihrer Männer halten und höchstens halbtags arbeiten. Dass ihr Mann außerdem ein Hausmann ist, das ist doch irgendwie nicht in Ordnung, oder? Ist das wirklich ein richtiger Kerl? Also ein Hausmann im Heiligen Land der Hausfrauen. Ich mag sie sehr, sie sieht so schön frech aus. Bravo Sigrid Nikutta!

Aber ich wollte doch von den Treppen erzählen. Hier gilt Treppe rauf, Treppe runter und wenn es mal eine Rolltreppe gibt und man überglücklich bei dem Anblick ist und wenn sie sogar funktioniert und die kreativen jungen Männer sie nicht gerade sabotiert haben, ja dann genießt es die schwedische Rentnerin..

Manchmal gibt es auch Fahrstühle – Fahrstühle die funktionieren, wenn nicht die kreativen jungen Männer sie auch sabotiert haben. Ja dann stehst Du da mit dem Kinderwagen oder mit dem Rollstuhl. Hast Du eben schlecht Karten – noch eine Station fahren und dort Dein Glück versuchen!

 

Nachdem man ein kleines Herzproblem bei der schwedischen Rentnerin festgestellt hat merke ich dass die Treppen irgendwie so unendlich lang geworden sind. Ich freue mich über das Geländer – wenn es frei ist, wir sind mehr von meiner Sorte hier in Berlin – und ziehe mich keuchend hoch.

Time-out für 130 cm

130 cm und ich verbringen den schulfreien Tag zusammen. Ich habe – finde ich – ein Spitzenprogramm zusammengestellt: die verrückte (abartige?) Weihnachtsdekoration in KaDeWe, Mittagessen nach freier Wahl, McDonalds auch genehmigt, ein toller Kinderfilm mit ECHTEN Schauspielern, kein PÄNG!! TJOFS!! SWOSCH!!. Freue mich selbst ein bisschen, heimlich. Hätte gern noch etwas mehr Action eingepackt, aber denke, nee, sachte, keins der Enkelkinder sind über meine Vorschläge so begeistert. Bei einigen ruft Grips-Theater nicht mal Jubelrufe heraus. Zu meiner großen Trauer.. Statt dessen wollen sie bei mir hocken und ausmalen.

Nun, wir starten unseren Tag mit Mandala. Du weißt vielleicht nicht was Mandala ist? Das sind Ausmalvorlagen, die ein bisschen indisch aussehen, finde ich jedenfalls, und sie enthalten unendlich viele gruselige, kleine Felder. Und ALLE sollen ausgemalt werden! Weiß nicht, wer das hier erfunden hat, aber es kommt gleich nach der Hirnwäsche  und der Strafarbeit, unendlich viele ekelhafte, kleine Felder. Dachte, OK, wir FANGEN so AN.. Wir saßen 6 (sechs) Stunden am Tisch und malten. Ich wurde auch beordert ein Mandala auszumalen, es gab kein Entkommen, nur kurze Klobesuche waren gestattet. Und ich zeige euch nicht wie mein Mandala aussah –  als hätte es ein dreijähriges Kind ausgemalt..

Ich tröstete mich damit, dass das wohl eine Art Katharsis für diese gestressten Kinder ist. Sie sind ständig in Action, kommen gegen 17 Uhr von der Schule zurück, sitzen an Computern, die ständig PÄNG!! TJOFS!! SWOSCH machen.  Keine Chance auf ein klitzekleines bisschen Langeweile. Action, Action, Action. Und wenn man dazu noch Mandarin und Betriebswirtschaftslehre lernen musst, um mit 17 Jahren eine Start-Up zu starten, na denn..

Diese 130 cm hatte 6 unendlich lange Stunden Katharsis. Dann gingen wir auf den Spielplatz, sie klettert, hüpft und benimmt sich wie jedes normales Kind . Großmutter mit der Mülltüte und dem Greifer zur Hand.. lohnt sich immer..

Ps: Bitte die Perfektion und das Farbengefühl der130 cm beachten..

Deutsche Post – mein Sargnagel

Liebe Deutsche Post – ja, ich weiß, es scheint ein absolute Muss für manche Post in Europa – auf dem Bild sieht man die halbe Warteschlange – ja HALBE – und ganz, ganz vorne in der Ferne sieht man den Tresen. Ich konnte nicht von ganz hinten aufnehmen, da ich nicht so 100 war, ob mein Nachbar mich wieder „reinlassen“ würde. Dieses Elend war in der Müllerstrasse Wedding. Wartezeit? Frag mich nicht, möchte nur das Elend vergessen. Und wenn ich dann den Blutdruck wieder auf Normalniveau habe, frage ich mich – warum zum Teufel nochmal muss es bei der Post so sein? Und erzähle mir nicht, dass ich ja auch woanders hingehen kann, denn wenn ich wahnsinnigerweise nicht zu Hause war, als  das Päckchen kam, muss ich quer durch Wedding HIERHER!

Sehe-zum-Kotzen-aus-Tag

Habe heute so einen ”Sehe-zum-Kotzen-aus-Tag”. Um zu überprüfen, ob ich wirklich so schrecklich aussehe, habe ein Selfie gemacht – TU DAS NIE WENN DU SO EINEN TAG HAST! (oder mit so einem ganz langen Stab, damit der Abstand größer wird..). Wenn ich mich im Spiegel selbst anschaue, sehe ich eine normale – finde ich – ältere Person mit altersgerechten Falten.. Wenn ich ein Selfie mache, bin ich eine einzige Faltenorgie… sehe auch wie eine magere Rosine…. Warum sehe ich mich im Spiegel so anderes als das Selfie in real life zeigt? Habe ich ein Gehirnfilter da oben, was sagt „Lass-bloß-das-echte-Bild-nicht-durch“ um mich zu schonen? Oh Schreck und draußen ist der wahrscheinlich letzte schöne Herbsttag und hier sitze ich um jammere Falten. Und komme mir nicht damit, dass Falten schön sind! Eventuelle höfliche Proteste werden eh nicht angenommen – Ich sehe was ich sehe!

Bild Sophie Herken

Wieder Lebensgefahr in Berlin..

Hier in Berlin ist es aus zwei Gründen lebensgefährlich zu Fuß unterwegs zu sein. Teils ist das, was man „Straßenbelag“ nennt nicht das, man sich unter dem Namen vorstellt und teils haben wir eine Straßenbeleuchtung, die für alte, linsengetrübte Menschen keine Freude darstellt. Aber heute etwas Geknatschte über den Straßenbelag – auch mit der Gefahr dass ich jetzt wieder einen Shitstorm auslöse..

Es ist lebensgefährlich in Berlin auf dem Bürgersteig zu laufen. Ja, ja, ich weiß, gerade da wo Du wohnst ist der Belag super, aber hier eben nicht!  Manchmal laufe ich lieber auf der Straße – auch mit der Gefahr umgenietet zu werden. Auch meine junge bloggende schwedische Kollegin Annelie, die auf Schwedisch bloggt, hat sich auch über den Belag ausgelassen und sie ist nun, Gott bewahre, alles andere als alt und linsengetrübt.

Die Platten haben ein eigenes Leben, manche schauen keck hoch, manche wackeln, dass man seekrank wird, manche fehlen einfach, zwischen manchen sind riesige Spalten. Ich muss voll auf den Belag fokussieren, wenn ich meine prächtigen, fußgerechten 41,5:er platziere. Und dennoch – dennoch kippe ich manchmal wie ein gefällter, alter trocker schwedischer Kiefer um – autsch.

War gerade  „Drüben“. Und es ist wahrlich nicht das erste Mal ,dass ich mich dort auf den sauberen ( das auch noch…)  Bürgersteig hinlegen und ihn weinend sanft streicheln möchte. Sie sind die reinsten Kunstwerke, dort liegen die Platten dort wo sie liegen sollen, wie kleine Zinnsoldaten, dicht an dicht. Kein Rauf, kein Runter.. Ein Traum darüber zu laufen. Mann/Frau kann auch einen Blick auf die schön renovierten Häuser wagen.

Jetzt sollte ich nicht neidisch sein, aber könnten wir hier im ehemaligen Westen nicht auch mal etwas von der Soli-Steuer bekommen, die nur „einige Jahre“ erhoben werden sollte, bis man im Osten „Grüne Landschaften“ hat (O-Ton H. Kohl)? Es sind ja zwar nur 28 Jahre vergangen und man soll ja nichts überstürzen  aber ich möchte, verdammt noch mal, auch solche Bürgersteige haben!!

Nur die stärksten überleben in Berlin

Saß draußen in der Herbstsonne mit einigen Nachbarn auf der Parkbank. Es muss gesagt werden, dass ich in einer verkehrsberuhigten Straße wohne. Autos Tabu! Aber Fahrradfahren ist erlaubt, und das wird gerne als beliebte Rennstrecke für die Kampf-Radler angenommen. Die Kampf-Radler nenne ich so, weil sie so fahren, als hätten sie zu Hause im Schrank mehrere Leben hängen, und wenn ein Leben gerade todgeradelt wurde, nimmt man eben das nächste. Ich weiß nicht was ich falsch gemacht habe, habe kein Extra-Leben im Schrank hängen Schade.. Also hier bei uns: Volle Fahrt voran.  Zur Sache gehört aber auch, dass ich in einem Kiez wohne, wo Kinder fleißig geboren werden. Jawohl, da freut sich die Rentenbehörde! Diese Kinder laufen gerne von hinnen nach dannen, wenn sie so weit sind, und das auch sehr schnell.

Wir drei Weiber sitzen dort und philosophieren so vor uns hin, und ich sehe das Unglück kommen. Eine junge sehr sportive Frau auf einem noch sportiveren Rad kommt gerade aus angebraust. Vor ihr eine Gruppe kleiner Kinder. Gerade als sie vorbeibraust, bewegt sich leider das eine kleine Kind, vielleicht 2 Jahre alt, leicht seitlich und SCHWUPS war die Katastrophe da! Das kleine rosa Geschöpf, das auch Gott sei Dank recht wohl ernährt und gut eingepackt war, wird voll ins Rosa (nein nicht ins Schwarze diesmal) getroffen. Es schreit und weint vor Schreck und Schmerz.  Es hat sicher weh getan und das kleine rosa Kind ist wütend. Der Vater kommt angelaufen und eine heftige Diskussion entsteht.  Die Hände gestikulieren noch heftiger. Ich gehe zu dem Vater und sage, dass ich alles gesehen habe, falls er eine Zeugin braucht.  Die junge Frau mit dem Rad beschimpft mich und meint, dass es ja AUCH ein Radweg ist und denkt sich wahrscheinlich, was mischt sich die Olle da ein. Ich sage ihr, dass man verdammt noch mal nicht mit der Geschwindigkeit durchbrettern kann, wenn man sieht, dass Kinder dort spielen. Man weiß doch nie was  in ihren bezaubernden Köpfen so vor sich geht.  Wahrscheinlich keine nette Wörter in einer fremden Sprachen, andere Sprache vom Vater.

Und die Moral der Geschichte? Die Polizei kam und nahm alles auf, damit es dann lange im Keller der Bürokratie vor sich hingammeln kann, das rosa Kind spielte dann munter weiter und ob die junge Kampfradlerin jetzt was dazu gelernt hat?

bild 1 #127591424belamy fotolia
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Wahlplakate, die Polizei und ich Teil II

 

Zwei Wahlplakate waren runtergerutscht, das eine war schon ganz abgefallen und da ich die „Mülltante von Vinetaplatz“ bin dachte ich, dass das runtergerutschte und vollgepinkelte – die Hunde mochten es – Plakat und das was schon den Geist aufgegeben hatte,  entsorgt werden konnten.

Ich war gerade dabei und sehe und höre nicht zwei ältere Polizei-Djangos, die breitbeinig, wie Clint Eastwoold mal, ihr Auto verlassen und zu der Rentnerin heranschaukeln. Mächtige (ist man Polizist so ist man Polizist..) Stimme: „Was machen Sie da??“. Ich freundlich „Oh, die Plakate waren runter- und abgefallen und ich räume sie weg“. Es folgt ein langer Vortrag dass dies SACHBESCHÄDIGUNG UND STRAFBAR ist und dass ich SOOOFORT die Plakate wieder  ranmachen sollte.

Ich sage aber, meine Güte, die Plakate waren doch schon unten, sehen schrecklich aus, sind vollgepinkelt und außerdem habe ich keine solchen Plastikbänder, die den nächsten Atomkrieg überleben. Ich drapiere sie flott um die Laterne und verspreche, mit den beiden Parteien Kontakt aufzunehmen und den (unfassbaren) Schaden zu melden und erhoffe mir ein absolvo te…

Dann schaukeln die Djangos wieder zu ihrem Auto und denken wahrscheinlich „Wow, die Alte made our day“. Ich dachte immer, dass in Berlin zu viel Kriminalität herrscht und dass die Polizei hoffnungslos unterbesetzt ist, aber wenn sie nichts besser zu tun hat, als eine alte Rentnerin sich vorzuknöpfen, die nur aufräumen möchte, dann besteht doch vielleicht Hoffnung für Berlins Zukunft..