Ausländer in der eigenen Stadt?

gröngubbeHä? Wie geht das denn? Heute Morgen überfiel mich etwas schwedisches Heimweh und schwupps war ich auf dem Weg zu Ikea. Ist eine ganz sichere Karte dagegen.. Auf dem Weg zu meinem Ikea, das im alten Ostberlin liegt, sah ich eine gefühlsmäßig kilometerlange Schlange von älteren Menschen, die sich zu einer runtergekommenen Sportanlage (die durfte ein Investor für 1 EUR kaufen, mit dem Versprechen sie wieder fit zu machen. Nun, inzwischen sind 25 Jahre vergangen und die Anlage ist noch runtergekommener als vorher und keiner sagt was.. Wenn ich meine Kinder so inkonsequent erzogen hätte.. pah.. ) schlängelte.  Nun, in dieser Sportanlage findet dieses Wochenende die Nostalgiemesse OSTPRO statt, wo die alten Ostberliner in Erinnerungen schwelgen dürfen. Sie können z.B. an ihrem alten Waschmittel schnuppern, die lieb gewonnene Senfverpackung noch mal anfassen, sich gegenseitig „Weißt du noch..“ sagen…

rödgubbeZuerst musste ich etwas kichern aber dann blieb es mir doch im Halse stecken und ich dachte, ich bin wenigstens echt Ausländerin hier, aber die Ostberliner, sie waren doch auch hier immer zu Hause… Da kommt eines Tages eine neue Macht und schwupps ist das Alte einfach nichts wert und weg.. Daran sollten wir vielleicht auch manchmal denken..

Stressfreie Weihnachten

hyacint72 Jahre lang habe ich Weihnachtshystherie voll ausgelebt. Zum ersten Advent wurden die Kartons aus dem Keller gehievt und geschmückt was das Zeug hielt. So lange ich Familie und Kinder hatte, war das ja auch schön. Aber jetzt – als Solorentnerin? Als das aller Höchste der Gefühle in diesem Jahr habe ich bei Granit 3 Holzherzen gekauft, mit Gold gesprüht und ins Fenster gehängt. Gold ist sowieso meine Lieblingssache zur Zeit. Der Balkon ist auch ein bissel goldig geworden, aber so what.. Je älter Man/Frau wird, um so gold-afiner wird Man/Frau..

Nee, freue mich auf mein Soloweihnachten – ok vielleicht kommen kurze Bullerbü-Rückblicke-Sentimental-Flashes und ich heule kurz vor mir hin, aber dann – nee, allet jut!. Ok, so ganz solo wird es auch nicht – darf doch meine Kinder und Enkelkinder geniessen.  Auch Silvester ist kein Muss mehr – habe gelernt, dass man sich bei Silvesterfeiern um 24 Uhr elend einsam vorkommt wenn alle sich küssen, umarmen und ein neues Leben – das wievielte? – versprechen.  Man kann sich selbst schwer küssen, umarmen und ein neues Leben versprechen – ach, ein neues Leben versprechen? Das tue ich eh nicht mehr. Es ist wie es ist und keiner erwartet etwas mehr.

blommorwaldermardFreue mich auf die Weihnachtsmusik im Radio, auf Januar, wenn die wunderbaren Tulpen überall zu haben sind, auf die längeren Tage. Das ist meine Zeit!

Liebe heutigen Eltern

love

Erlaubt bitte einer alten Rentnerin, Mutter und Großmutter ihr mahnendes Zeigefinger mal zu erheben. Du liebes, heutiges, hippes Elternteil eines Kleinkindes – versuch doch einmal, Deinem Kind auch so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie es Du Deinem Handy gibst. Du kannst Dein Kind nicht einfach gegen ein besseres Modell austauschen, wenn das Modell mal nicht funktioniert. Klappt nicht.. Dein Kind braucht Dich JETZT! Gestern in der U-Bahn (und leider nicht nur gestern..): Das etwa 2-jährige weinende Mädchen steht frei in ihrem Kinderwagen und ruft und ruft nach ihrem Vater. Der freie Fall beim Anfahren der U-Bahn war vorprogrammiert. Der Vater sitzt genau daneben und ist mit seinem Handy so beschäftigt, dass er nichts hört und sieht. Was um Gottes Willen ist so wichtig, dass er das Kind nicht sieht und hört? Keine SMS kann doch so wichtig sein! Mir geht es schlecht wenn ich das sehe und sage nur – arme Kinder.. Schau Dir Dein Kind an, sprich mit Deinem Kind – es ist ein Mensch!! Und Du glaube mir, Du bekommst keine zweite Chance…

Illustration Sophie Herken

Da bin ich wieder..

Ich glaube, ich bin vielleicht auf Weg zurück ins Leben – spüre einen leisen Drang wieder mal etwas zu nörgeln und das muss doch ein Zeichen dafür sein, dass es mir etwas besser geht, oder? So ein klitzekleines Bisschen..

ikeaslussekatterAlso Liebe IKEA, jetzt mal ein ernstes Wort – hör sofort auf, Deine Lussekatter zu verkaufen! Sie sind eine Zumutung! Ich schäme mich bei dem Gedanken, dass die armen Deutschen tatsächlich glauben, dass wir sowas in Schweden essen. Sie müssen sich ja fragen, ob wir überhaupt keine Esskultur da oben im Norden haben.. Deine Monster-Lussekatter sehen zwar ganz okay aus, aber der Geschmack.. hoho.. Sie schmecken wie eine Mischung aus Nichts und Chemiefabrik, beim Kauen wachsen sie so im Mund, dass man sie getrost als Diätprodukt nehmen könnte. Irgendwann mal hörte ich auf zu kauen, weil es erstens nicht schmeckte und zweitens immer mehr wurde. Sehr praktisch. Ein richtiger Lussekatt mit Safran, gelb, glänzend, buttrig, leicht – das sind Lussekatter! Ingvar, Du magst sie doch auch so, oder?

Liebe IKEA – bleibe bei Deiner Leiste mit Billy, Metod, Gräddad und was Du noch alles hast. Nur weil wir hier in der Diaspora leben sollst Du nicht glauben, dass Du uns jeden Mist vorsetzen kannst. Und übrigens: Deine Pepparkakor sind auch keine Spitzenleistung – nee wahrlich nicht.. Und wenn wir Riesenglück haben, hast Du in diesem Jahr Deinen Glögg etwas aufgepeppt, der war auch nicht zu dolle – aber was soll´s, nach dem 3. Glas merkst Du es eh nicht.

pepparkakor

Soll er in der Hölle schmoren..

by-studioVerdammt noch mal! Heute darf ich mich im Blog so richtig schlecht benehmen und ganz laut SCHEISSE rufen! Nicht nur dass ich einen Kopf habe, der nicht so richtig funktionieren möchte, nein, als kleine Krönung des Elends wurde mir heute in der U-Bahn meine Brieftasche gestohlen! Verdammt, verflixt und zugenäht! Ich, die immer um mich schaue, von den Taschendieben weiß,  auf der Rolltreppe höllisch aufpasse und bis jetzt dachte „Mann, sind die Leute doof, die sich beklauen lassen“..

Stand beim Bäcker und schaute wie ein leere Vogelkasten – Brieftasche weg, keine Brötchen. Alles weg, alle Karten, Führerschein, alles. Schnell die Bankkarten gesperrt aber all die anderen? Musste auch ein Enkelkind zum Zahnarzt bringen. Schon mal versucht ohne Karte an den U-Bahn-Automaten zu zahlen? Vergiss es! Geht nicht! Hatte zwar von der Mutter des Enkelkindes einige Scheine bekommen, aber ..  Nee.. Geht nicht..  Also schwarz fahren und klaro  – Kontrolle… Konnte den netten Herren von meinem Elend überzeugen und bekam eine Freikarte zu einer Station an dem ich von einem lebenden Menschen gegen harte Währung zwei Karten kaufen konnte. Das arme Enkelkind wusste nicht ob es kichern oder weinen sollte – kriminelle und schwarzfahrende Großmutter.

Jetzt habe ich alles gesperrt, habe kein Geld, muss morgen zur Polizei gehen und Anzeige erstatten und dann mit dem Wisch von der Polizei bei der Post und bei BVG vorzusprechen um ans Geld und an eine  Monatskarte zu kommen. Und hatte natürlich gestern viel Geld vom Automaten geholt – der Dieb wird sich freuen..  Meinen Pass hat der aber wenigstens nicht geklaut. Und ich, die so aufpasse, auf der Rolltreppe immer schaue, wer hinter mir ist. Und die U-Bahn war gar nicht voll. Wie schaffen sie das bloß? Sieht denn keiner, dass jemand an meinem Rucksack rumfummelt?? Soll der Dieb doch in der Hölle schmoren!! Verdammte Schei….e…

Bilder by-studio/fotolia und rudall30/fotolia

rudall30

Mal eine andere Notaufnahme

saraberdonfotoliaBis jetzt habe ich immer über meine positiven Erfahrungen (kann man also auch haben) über die Notaufnahme hier in Berlin gesprochen. Das war in meinem Favoriten-Krankenhaus (Martin-Luther-Krankenhaus). Jetzt mal von einer anderen Notaufnahme und eine kleine Warnung – wenn Du kannst, meide die Notaufnahme in der Charité in Mitte.  Sie sind fachlich super und sehr berühmt, produzieren laufend Nobelpreisträger aber so für eine kleine unbedeutende Sterbliche, die nur einfach krank ist? Verdammt noch mal, wenn man dort Stunde um Stunde stehend oder sitzend warten muss, dann fängt man an, sich Fragen über  eine vielleicht verbesserte Organisation zu machen. Ich hätte einige Ideen..

Man landet in einem Warteraum, der dem Aussehen nach direkt von der DDR übernommen und seitdem nicht in irgendwelcher Weise aufgefrischt wurde. Müde und leere Informationsbehälter gammeln im kalten Neonlicht so still vor sich hin. Ablage für leere Kaffebecher z.B. Die Stühle und Tische wurden irgendwo zusammengesammelt und reichen beim Weiten nicht für alle aus. Wie super ist es, wenn man das Gefühl hat,  kurz vom dem Sterben zu sein (ansonsten fährt man ja nicht in die Notaufnahme, gell?) und stundenlang dort stehen muss.

DonutIn die heiligen Hallen wohl vorgedrungen  – ach würde ich gerne in so ein Krankenhaus kommen, das so aussieht wie in „In aller Freundschaft“.  Dort wird man von flotten und netten Ärzten empfangen, „Schockraum 1 oder 2“ wird gerufen und dann landet man in einem Zimmer, besser als Hotel Kategorie 5 Sterne, blaue Wände, superschöne Einrichtung und immer Einzelzimmer. Okay das war der Traum. Die jungen Ärzte hier sehen so fertig und müde aus, dass mein Oma/Mutterherz blutet. Ich bin extra in diese Notaufnahme gefahren weil mein armer Kopf in diesem Krankenhaus behandelt wird und dachte, prima, dann haben sie alles was sie so brauchen im Computer. Aber jeder Arzt notierte sich die Angaben auf einem  kleinen Zettel, den er/sie aus der Tasche so hervorkramte, der so ein bisschen wie mein Einkaufszettel für Lidl aussah. Computer? Nee..

Mir gelingt es dann einen Stuhl zu ergattern aber nach der ersten Untersuchung – werde von mehreren jungen und müden Ärzten untersucht – hat natürlich jemand anderes sofort den Stuhl ergattert. Also stehen und das Gefühl haben, jetzt lege ich mich auf den Boden und möchte nur noch sterben.

WalNachdem ich mehre jungen, müden Ärzte kennengelernt hatte, wurde ich mit einem Rollstuhl zum CT gefahren. Der Rollstuhl hatte keine Fußstützen mehr, sondern man hatte eine Verbandsbinde quer gespannt und dort konnte ich meine Füße halbwegs hintun damit sie nicht während  der rasanten Fahrt durch triste und leere Gänge abgehackt wurden. Dem Ingenieur ist nicht zu schwör´n..

Dies ist Berlins bekanntestes, größtes  und renommiertestes – der Flagshipstore sozusagen.. –  Krankenhaus aber glaube bloß  nicht, dass man dort nachts ein MRT bekommt! Weit gefehlt! Der junge Arzt meinte, dass man im CT wahrscheinlich sehen würde, ob ich eine Hirnblutung hätte. Ach ja, der Glaube kann Berge versetzen, steht schon in der Bibel, und nun habe ich wohl Gott sei Dank wahrscheinlich keine Hirnblutung. Empfehlung: noch ein MRT. Ja, bis dahin muss mein Glaube stark sein..

Man entschied also, dass ich wohl keine Hirnblutung hätte – was nach meiner Hirnthrombose wohl nicht allzu abwegig gewesen wäre und so wurde ich mit der Empfehlung nach Hause geschickt, schön Schmerzmitte zu nehmen und jetzt hoffe ich dass der Kopf doch nicht mehr explodieren möchte und füttere fleißig Schmerzmittel bis der Magen protestiert und ich vielleicht ein MRT und Sicherheit bekomme.

Bild oben saraberdon/fotolia und Sophie Herken die anderen

Warum ich mir jetzt schon mein Altersheim ausgesucht habe

engammalkvinna

Meinem Haus gegenüber gibt es ein „Seniorenheim“. Es ist ein tristes, graues Haus. Sogar die Birken, die davor wachsen sehen ganz traurig aus, sie wehen langsam, dünn wie Spargel, im Wind hin und her. Nein, es sind keine Trauerbirken – sie haben sich nur angepasst. In diesem Haus wohnen nicht die Reichen aber in Relation zu vielen Rentnern hier bei uns in Wedding doch nicht die ganz Armen. Sie haben manchmal noch eine klitzekleine Goldkante oberhalb der Grundsicherung.

Morgens rollt die Rollatorkaravane aus dem Haus. Man verteilt sich auf die etwas heruntergekommenen und schäbigen Parkbänke. Vor dem Haus ist eine verkehrsberuhigte Zone mit Bäumen, einem Brunnen und andere Sachen, die Dank der Sparhysterie Berlins so langsam völlig verkommen und zuwuchern. Auf den Bänken sitzen sie meistens einzeln. Schauen nach rechts und links, nach links und rechts wenn jemand vorbeikommt. Es gibt auch einige ganz Mutigen, sie sitzen schweigend zu zweit auf den Parkbänken, schauen nach links und rechts, nach rechts und links. Am Abend zieht die Rollatorkaravane wieder ins Haus hinein.

Ich möchte nicht später auf einer etwas heruntergekommen Bank sitzen und langsam vor mich hinwelken- nach rechts und links und nach links und rechts schauend. Ich möchte mit anderen kommunizieren können – auch wenn das was ich dann sage vielleicht auch nur ga-ga ist, aber vielleicht merken die anderen das nicht – sie sind ja auch ga-ga. Wir sind ja alle dann im selben Boot. Ich möchte abends nicht in mein Kämmerchen gehen und den ganzen Tag, kein Wort gesprochen haben – auch wenn, wie gesagt, alles nur ga-ga ist… Und deshalb weiss ich jetzt schon, wo ich hindenken kann – und das macht mir keine Angst..

Bild Tomaso Lizzul/fotolia

Störfaktor

phyzick

Danke an Euch alle, die an mich gedacht haben, als ich etwas von der Rolle war. Jetzt geht es mir langsam besser – ja so gut, dass ich sogar etwas meckern kann. Jawoll! Gegen meine Krankheit – ja, ich höre bald auf davon zu erzählen, will sowieso kein Mensch hören, verstehe ich.. – gibt es neue Medikamente. Man muss nicht unbedingt das Rattengift Marcumar nehmen. Die Sachkundigen sagen, dass dies die Medikamente von morgen sind. Jedenfalls, sie sind neu und meine Diagnose ist extrem selten – echt keine gute Kombi, glaub mir.. Von meiner niedergelassenen Fachärztin bekomme ich nach großem Bauchgrimmen – bei ihr (nicht bei mir)  weil die Kasse vielleicht mit einem Regress an der Tür wummert – jedenfalls doch die Verordnung. Aber wie anfangen? Übergleiten von den jetzigen Spritzen, wie lange, wie hoch?  Hä? Vielleicht so oder vielleicht doch so?  Ich bin ja nun wirklich nicht vom Fach und es sind wahrlich keine Lutschbonbons. Das Wartezimmer ist voll, Panik nahe, Störfaktor raus! Also versuche ich die Spezialistin bei Charité noch zu fragen. Sie schreit wahrscheinlich bald, wenn sie meinen Namen im E-Mail-Postkasten sieht. Wenn ich bis morgen keine Antwort bekomme, ist mein wunderbarer Hausarzt dran. Und wenn er es auch nichts weiß– am Freitag MUSS ich irgendwas machen – dann lege ich mich einfach nieder zum Sterben, so ein bisschen jedenfalls.  Dann kann man mich als Sondermüll entsorgen. Und was ist die Moral von der Geschichte? Hab lieber eine Feld,-Wald-, und Wiesenkrankheit – wenn überhaupt..

Bild PhyZick/fotolia

Noch am Leben..

saraberdonfotoliaJetzt habe ich so oft davon gesäuselt, wie dankbar ich für alles im Leben bin aber jetzt muss ich noch etwas nerviger werden. Wo steht es, dass gerade ich nicht eine welke Tulpe werden soll, dass ich nicht diese fröhliche hüpfende Rentnerin – wie in der Apothekenwerbung – sein soll, bis man den Sargdeckel zuklappt. Was haben die anderen welken Tulpen falsch gemacht, um so bestraft zu werden? Nischt!

War im Krankenhaus – dank einer energischen Tochter, die mich geradezu in die Notaufnahme schleppte. Hatte wahnsinnige Kopfschmerzen aber wer möchte in der Notaufnahme sitzen und über Kopfschmerzen jammern, wenn rechts und links blutende, stöhnende Menschen, Arm/Bein an und ab, sitzen? Jedenfalls wurde ich freundlichst empfangen, in ein Bett gepackt und siehe da – das MRT ergab eine Venenthrombose im Kopfe. Im Kopf!! Andere Menschen kriegen Thrombosen in Beinen oder sonst wo, aber icke? Im Kopf! Es zeigte sich auch dass es eine besonderes tückische und seltene Sorte sei, von 1 Million bekommen sie 3 und vor allem junge Frauen um die 30. Du Da Oben – Zeit für Brille? Was hat man früher gemacht, was macht jemand, die in Aleppo lebt?  Wahrscheinlich geht man in die Wüste/ins Gebüsch, legt sich hin und stirbt. Aber ich wurde mit Karacho auf die Intensivstation gerollt und mit wichtigen Sachen vollgepumpt. Wieder Zeit für: Unendliche Dankbarkeit..

kzenon-sjukhuslitenWenn Elend und Jammer hinter mir stehen, denke ich, dass sie vielleicht bald kommen und mich holen und dann werde ich so unendlich dankbar dafür, dass ich noch so gut und schön lebe und könnte jeden Arzt, der nicht so viel Verstand hat, dass er wegläuft und sich versteckt, umarmen.  Meine ewigen Fragen wurden meistens geduldig beantwortet, der Chef nahm sich die Zeit, sich aufs Bett zu setzen und die Hand der ollen Tante sanft zu streicheln. Und jetzt, jetzt bin ich zu Hause und denke manchmal, oh je, wie soll das hier werden? Hatte mich schon in einem Seniorenstift anmeldet – bin so eine, die immer alles planen muss – aber wollte nicht die Stiftszeit überspringen und gleich in der Pflegeabteilung landen.. Du Da Oben – Du möchtest mich wohl doch nicht jetzt schon haben – oder? Können wir noch etwas warten? Wäre das ein Deal?

Bilder Saraberdon/fotolia und Kzenon/fotolia

Was wäre wenn..

Überall in der Stadt sind jetzt riesengroße Werbeplakate zu sehen(möchte ja eigentlich nicht pingelig sein, aber müsste da nicht ein Fragezeichen sein??):

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Jedes Mal beim vorbeilaufen oder vorbeiradeln, krallt sich eine unsichtbare, kalte Hand mein altes, müdes – aber still going strong – Herz. Ja, was wäre wenn ich etwas anders machen könnte? Möchte wie im Märchen 3 Wünsche äußern dürfen. Was wäre, wenn ich die Erfahrungen und die Einsicht, die ich jetzt mit 72 Jahren habe, nutzen könnte? Und bei jedem Plakat kommt der Gedanke – was wäre wenn ich früher das verstanden hätte, was ich heute verstehe? Wie kindheitsgeschädigt sowohl mein erster Mann wie auch ich waren (in dieser Hinsicht eine klar ungünstige Konstellation).  Jetzt glaube ich, dass ich gehobenen Hauptes manch eine Klippe hätte umschiffen können, aber jetzt, jetzt ist es zu spät.. Gruß an R auf seiner Wolke!

Heute ein unerwarteter Luxustag..

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So einfach ploppte ein Luxustag in mein kleines Rentnerleben. Morgens fuhr ich nach Dahlem, ein edles Stück altes Westberlin. Edel, mit irren alten Villen, Freie Universität, Museen. Ich wollte mich dahinknien und etwas weinen, als ich durch eine kleine Parkanlage ging und kein Fitzelchen Müll sah! Aber sowas von kein Fitzelchen! (Ok – bin etwas müllfocussiert). Ruhig, grün, edel. In der Kirche hat Martina Gedeck aus dem Buch Ester aus der Bibel gelesen, dazu Bach am Orgel.  Die Kirche war bis zum letzten Platz mit wohlbestellten Gutbürgern gefüllt. Da fühlte sich mein Brunnenviertel doch sehr arm und assig an. Kann die Schere noch weiter aufgehen?

Aber keine Traurigkeit – wenn schon edel dann weiter edel. Am Gendarmenmarkt Einkehr in ein fisrestaurangneues Fischrestaurant. Ich, die mit tiefgefühlten Fischen meistens lebe (selber Schuld!), musste hier zum zweiten Mal doch etwas weinen. Sowas von Fisch, weiß, göttlich, fein und zart. Dazu ein kühler Weißburgunder. Gimme more!

Richtung Heimat noch die Multi-Media-Ausstellung von Hieronymus Bosch. Der Mann, der mich schon 1964, als ich Kunstgeschichte an-studierte mit seinen Infernobildern faszinierte. Multimedia heißt, warm, dunkel, Musik, Sitzsäcke auf dem Boden, so dass man fast liegen kann. Und was mache ich? Ich schlafe mitten im rotierenden Inferno ein.. Wie abgestumpft bin ich wohl? Shame on me!

boschUnd nun sitze ich hier in meinem Brunnenviertel und denke an Dahlem. Würde ich mich dort wohlfühlen oder würde ich das hier vermissen? Aber da brauche ich eigentlich auch nicht weiter zu denken – nicht meine Preislage.. und würde wahrscheinlich doch mein Brunnenviertel vermissen..

 

Bin in Frankreich gewesen och säger o la, la..

mariashusDachte immer, dass wir Schweden schon ziemlich höflich und nett sind, aber pah, kommt erstmals nach Frankreich. Okey, war nicht in Paris, dort mag es anders sein.

Ich pfeife jetzt auf die Gendergeschichte – ich genieße es, wenn ein Mann mir die Tür aufhält und anlächelt. Ich bin verunsichert, weil ältere Männer mich anschauen. Denke, oh, habe ich einen Pickel auf der Nase? Nein, sie schauen einfach und lächeln mich leicht frivol an. Herr ist das wieder sensationell – wie viele Jahre her ist es, dass ich das Gefühl hatte, dass man mich in Berlin sieht? Wech´ da Omma!

guldstolMann oder Frau, jung oder alt, ist freundlich und sogar die Augen lächeln auch mit. Bonjour Madame, Merci Madame, Pardon Madame, Ca va bien Madame?. Himmlische Töne. Ich nehme mir vor, diese Freundlichkeit in Berlin zu behalten. Schon im Bus 171 auf dem Heimweg  von Flughafen Schönefeld war nix mehr davon übrig. Saß genauso griesgrämig wie die anderen da..

Man ist als Autofahrer auch entspannt. Auto hält, der Nachbar tritt an das Auto und man plauscht durch die Scheibe etwas, dahinter bildet sich eine kleine Schlange. Hupen? Fehlanzeige – man wartet und dann fahren alle weiter. Hier in Berlin hupt man ja schon prophylaktisch – könnte ja an der Kreuzung etwas dauern, als voll auf die Tröte!

Und dann zuletzt muss ich an der deutschen Tugend Organisation etwas rütteln. Sorry! Wenn ich an den Abflugbereich vom Billigflieger easyjet in Lyon denke, dann muss ich still weinen – diese Organisation! Deutsche Tugend – kannst Dich niederlegen!

Ja, ja, mach doch ´rüber wenn´s Dir nicht gefällt.. Ich höre es schon..

luta

Ach zum Teufel…

mariashusWieso so unflätig „Ach zum Teufel“? Das war unser Mantra, wenn wir den anderen unsere Texte vorlesen sollten, wenn wir das Gefühl hatten, dass dieser meiner Text nicht grad für den Nobelpreis nominiert werden würde. Die Ansprüche an uns haben wir dann doch unten im Tal gelassen, als wir in das kleine und winzige verschlafene Bergdorf Arconsat (100 Einwohner, die uns mit einem freundlichen „Bonjour et bien venue Madame“ begrüßten) in der Auvergne in Frankreich hochfuhren. Eine Woche Schreibkurs mit meiner absoluten Lieblingsschriftstellerin! Ein Erlebnis fürs Leben – aus finanziellen Gründen wird er wohl auch leider der Einzige bleiben. Ob ich jetzt besser schreibe oder nicht – das mag dahingestellt sein – bin eher der Spontityp und halte mich weniger an Regeln als an Gefühlen, aber das Prinzip wie man es machen könnte, habe ich vielleicht verstanden.

Was mich auch fasziniert ist, wie eine Gruppe aus 9 völlig verschiedenen Frauen zu solch einer homogenen Gruppe mutieren kann. Wir waren von 24 bis 72 Jahren alt (warum muss ich immer die Älteste sein..), mit total unterschiedlichen Lebensläufen und Erfahrungen. Naja, internistisch gesehen waren wir vielleicht nicht so richtig homogen, einige haben so überirdisch gut geschrieben, dass wir atemlos waren. Aber die Liebe und die Freude zum Schreiben, die hatten wir alle.

Und dazu unsere „Frau Lehrerin“, Karin, die uns mit fester, liebevoller Hand durch die Klippen des Schreibens lotste, immer aufmunternd, voller Ideen und anderer Blickwinkel. Ihr Humor, Können und ihre Schlagfertigkeit und Freude und ihre wunderbare Sprache  waren für uns das Lebenselixier, wenn wir irgendwo und irgendwie gestrandet waren. Dann half auch mal ein „Ach zum Teufel“.  Dazu Marias wunderbares Essen, die Aperitifs auf der warmen Kirchtreppe in der Abendsonne auf dem winzigen Marktplatz, der kleine Brunnen mit dem kühlen Quellwasser. Das Plätschern hat uns abends, satt und rotweingefüllt, sanft in den Schlaf gewiegt und morgens ganz leise geweckt. Dazu das vorsichtige, sanfte Bimmeln der Kirchglocken.. Und Dankbarkeit darüber, dass andere Frauen mich haben in ihre Seelen blicken lassen – denn das ist was man doch tut, wenn man schreibt.

dörrklänningInfos zu dem Bild: Marias Haus war mal eine Pension und ein Café:  Café du Commerce C. Bonjean.

Happy End im Müllkrieg am Vinetaplatz!

sopor

Proudly presenting – wir haben die Lösung im Müllkrieg gefunden. Mein unsäglicher Nachbar, der mich bei der Wohnungsbaugesellschaft anzeigte, weil ich den aufgesammelten Müll in die Hausmülltonne warf (und noch eine Anzeige nachschob, weil ich ihm den Stinkefinger gezeigt hatte, (pfui.. weiss, kostet 2 AveMaria..), wird sich nun etwas Neues suchen worüber er sich wieder mal so richtig schön aufregen kann. Ach, mache mir keine Sorgen, dass er nichts findet – meine Person ist für ihn das größte Ärgernis überhaupt.

Heute war ein netter Herr von der BSR hier und wir haben die Lösung insoweit  gefunden, dass man mich mit BSR-Müllsäcken versieht, die ich dann an einem bestimmten Platz abstelle und dort werden sie morgens von den flotten orangen Jungs und Mädels abgeholt. So einfach war das!!  Ach lieber Nachbar – worüber können Sie sich jetzt wohl aufregen? Ende Gut – Alles Gut! Und ein großes Danke-Schön an alle, die mir bestätigt haben, dass nicht ich, sondern der unsägliche Nachbar einen Hau hat und mir viel Mut gemacht haben! Ich weiß, Müll sammeln ist eh grenzwertig, aber der unsägliche Nachbar ist doch grenzwertiger, oder?

matthiasenerBild: fotolia/matthiasener

Oh Gott, oh Gott..

fönsterwerenzhainJetzt rückt es näher – Hilfe! Habe mich ja voller Euphorie zu einem (schwedischen) Schreibkurs in Frankreich angemeldet. Habe den Sparstrumpf geplündert – was ist wenn ich akut, weiß ich was, neue Zähne oder andere Ersatzteile brauche.. oh, dann kriege ich meine Strafe für diese meine Verschwendung.. Als ich mich anmeldete, schwebte ich auf rosa Wolken, denn der Kurs wird von meiner schwedischen absoluten Lieblingsschriftstellerin geleitet und wer darf eine Woche in einem alten französischen Haus mit ihrer Lieblingsschriftstellerin verbringen?  Na?  Icke!

Jetzt rückt es näher und ich kriege einfach Bammel – was ist wenn die anderen 9 Frauen (Schreiben scheint ein Frauending zu sein..) super schlau sind und alles so gut können und wissen? Und icke sitze da und schaue mit großen Augen zu und kann mich nicht verkrümeln? Vielleicht sagt SIE mir, ich solle doch zukünftig lieber Topflappen häkeln oder Makramee machen? Und außerdem bin ich es nicht gewohnt in der Weltgeschichte alleine herumzureisen. War ja den größten Teil meines Erwachsenenlebens verheiratet und zwar mit äußerst handlungskräftigen Männern, die alles regelten und die kleine (naja, klein ist nicht immer ein cm-Ding..) Ehefrau folgte einfach brav. Und nun bin icke dran? Pah – eigentlich macht das auch Spaß und ein bisschen Abenteuer kann  nie schaden.

Also Cecilia,  auf auf, nicht kneifen. Auf Schwedisch sagen wir „frisch gewagt, die Hälfte gewonnen“… rödväggwerenzhain