Das Schnee-Wunder

Langsam fallen – endlich – die Schneeflocken in meinem leicht/stark (bitte passendes ankreuzen..) heruntergekommenen Kiez hier in Berlin. Sie legen sich wunderbar zurecht über den kaputten Straßenbelag, über die Mülltüten, die irgendein Nachbar nicht in die Mülltonne legte, sondern einfach so hier, auf dem Weg irgendwo hin, über die Hundehaufen, die einige doch gerne liegen lassen. Alles wird weiß und wunderschön sogar hier in WEDDING!! Der Lärm der Großstadt wird gedämpft, bin in einem weißen Traum eingepackt.  Ich höre die Kinder lachen – sie spielen in dem ca. 1 cm tiefen Schnee, machen Schneemänner, Schneebälle und ich bin dankbar dafür, dass die Kinder dieser Cybergeneration auch diesen Spaß – noch – haben können. Und ich? Ich überlege mir,  ob ich auf dem Balkon nicht eine klitzekleine Lichtergrotte bauen. Wie ein Iglo mit einer Kerze in der Mitte. Das führt mich in meine Kindheit zurück. Dann lege ich mich auf den Boden im Wohnzimmer, schaue die Grotte an  und träume mich weg..

Bild: THesIMPLIFY/fotolia

So langweilig, dass die Uhren stehen bleiben..

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So könnte ich es beschreiben, wie ich mich zur Zeit fühle. Nee, jetzt muss ich bald durchstarten aber ach, wie schön bequem ist es nicht hier als echte Langweilerin auf dem (Ikea-)Sofa zu hocken. Ok, habe ja wenigstens die Entschuldigung, dass ich so ziemlich krank war und immer noch mit der Reservebatterie laufe – aber dennoch – so geht es nicht weiter! Es ist Silvester und wie ich mich kenne, schlafe ich, wenn das neue Jahr kommt. Habe nicht mal einen Pfannkuchen gekauft. Nun ja, die Wage zeigt nach Weihnachten sowieso Tendenz aufwärts und wehret den Anfängen sage ich aus Erfahrung. Und Neujahrsversprechen? Nee, die habe ich mit meiner Scheidung über Bord geworfen und Gott sei Dank erwartet kein Ehegatte mehr eine verbesserte, gehorsame und erneuerte Cecilia und wenn´s nicht passt, dann eben nicht.. Auf zu 2017! Wir werden sicherlich mit einander klarkommen. Euch allen ein gutes Neues Jahr und vielen Dank an meine treuen Leser/Innen!

Bild: Sophie Herken

Liebe BSR!

fotolia_125811197_sIch habe Euch wirklich ganz, ganz doll lieb, weil Ihr mir in meinem – unsäglichen – Müllkrieg mit meinem unsäglichen Nachbarn/Blockwart wunderbar geholfen habt, aber ich frage mich nur, warum Ihr morgens, wenn es draußen noch echt  stockfinster ist, mit dem Kehrwagen herumfahrt? Es ist stockfinster und der Fahrer sieht ja nur was direkt vor ihm liegt. Klar, ich weiß auch, dass er Licht hat, aber die kleinen Schwenkungen rechts und links.. die brauchen wir auch..  . Ja, ja, Ihr müsst ja die Leute auch im Winter, wenn es lange dunkel ist, beschäftigen, aber können die Mitarbeiter statt dessen nicht zum Beispiel Müllsäcke sortieren, Lager aufräumen oder andere gemütliche Aufgaben erledigen? Ich meine nur – die Gelder sind knapp, Berlin balanciert finanziell am Rande des Abgrunds,  und wir hier in Wedding sind für jede Kehrwagenrunde zutiefst dankbar, und wenn wir dann die Gnade einer Kehrwagenrunde  bekommen, dann soll´s sich auch lohnen..

Bild: ghazii/fotolia

So machen wir es in Berlin..

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Straße kaputt? Bürgersteig Schweizerkäse? Und was macht man als echte Berliner Behörde in Berlin dagegen wohl? Man stellt ganz einfach schnell einige Schilder auf, auf denen vor „Straßenschäden“ und „Gehwegschäden“  gewarnt wird. That´s it! Pah! Hier wird nicht mit Reparaturen rumgefackelt – wie man sieht, die Schilder wurden nicht gerade gestern aufgestellt.. Und wenn Du dennoch hinknallst – selber schuld! Und über die Straßenbeleuchtung in Berlin – darüber reden wir ein anderes Mal…

Schuster bleib bei Deiner Leiste..

pepparkakshus1.. und wo bitte schön ist wohl meine Leiste? Will auch eine Leiste hier im Leben haben! Jawoll! 140 cm wollten mit mir ein Lebkuchenhaus bauen. Da ich aus Erfahrung weiß, dass der Zusammenbau ein Elend ist – wenn der „Kleber“ nicht super ist, rutschen die Platten hin und her und man müsste tausend Hände haben – hatte ich das Gerüst schon vorbereitet bevor 140 cm eintrafen. Bin auch nicht so´ne Super-Oma, die alles selbst macht – bin mehr für  Plattenbauten. Aber ach – Maurer hätte ich wohl nie werden können. ..

Also nächste Packung aufmachen und einen zweiten Versuch.pepparkakshus2 Dies ist das Ergebnis des ersten und zweiten Versuches und wenn man sehr gnädig ist, kann man das Häuschen vielleicht durchgehen lassen. Nachher halfen Puderzuckerkleber, Gummibärchen und Smarties das Elend zu verstecken.. Ich glaube, so machen es auch viele Bauunternehmer.. Vielleicht doch Bauunternehmerin auf alten Tagen?? Soll doch recht lohnend sein?

 

Krise im Rucksack

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Heute ist mein persönlicher KRISENTAG!! Du weisst, so´n Sche..tag an dem so ziemlich alles schief geht.. Kaufte Shampoo und was Frau so braucht und da man ja nicht mehr so viel Plastiktüten verbrauchen soll – die Eisbären möchten doch noch eine Scholle zum draufstehen haben – legte ich alles gehorsam in den Rucksack. WIE DUMM DARF FRAU DENN SEIN?? Zu Hause – im Rucksack eine wunderbare schmierige Masse in dem mein Pass, Geldbeutel, Kreditkarten, Lippenstift, Telefon und Schlüssel sich wohlig breit machten. Und je mehr ich versuchte das Zeug wegzuwaschen – umso mehr schäumte es. Ein echtes Super-Shampoo und ein echter Supertag.. Naja, wenn es nicht schlimmer kommt soll ich vielleicht still sein..

Ausländer in der eigenen Stadt?

gröngubbeHä? Wie geht das denn? Heute Morgen überfiel mich etwas schwedisches Heimweh und schwupps war ich auf dem Weg zu Ikea. Ist eine ganz sichere Karte dagegen.. Auf dem Weg zu meinem Ikea, das im alten Ostberlin liegt, sah ich eine gefühlsmäßig kilometerlange Schlange von älteren Menschen, die sich zu einer runtergekommenen Sportanlage (die durfte ein Investor für 1 EUR kaufen, mit dem Versprechen sie wieder fit zu machen. Nun, inzwischen sind 25 Jahre vergangen und die Anlage ist noch runtergekommener als vorher und keiner sagt was.. Wenn ich meine Kinder so inkonsequent erzogen hätte.. pah.. ) schlängelte.  Nun, in dieser Sportanlage findet dieses Wochenende die Nostalgiemesse OSTPRO statt, wo die alten Ostberliner in Erinnerungen schwelgen dürfen. Sie können z.B. an ihrem alten Waschmittel schnuppern, die lieb gewonnene Senfverpackung noch mal anfassen, sich gegenseitig „Weißt du noch..“ sagen…

rödgubbeZuerst musste ich etwas kichern aber dann blieb es mir doch im Halse stecken und ich dachte, ich bin wenigstens echt Ausländerin hier, aber die Ostberliner, sie waren doch auch hier immer zu Hause… Da kommt eines Tages eine neue Macht und schwupps ist das Alte einfach nichts wert und weg.. Daran sollten wir vielleicht auch manchmal denken..

Stressfreie Weihnachten

hyacint72 Jahre lang habe ich Weihnachtshystherie voll ausgelebt. Zum ersten Advent wurden die Kartons aus dem Keller gehievt und geschmückt was das Zeug hielt. So lange ich Familie und Kinder hatte, war das ja auch schön. Aber jetzt – als Solorentnerin? Als das aller Höchste der Gefühle in diesem Jahr habe ich bei Granit 3 Holzherzen gekauft, mit Gold gesprüht und ins Fenster gehängt. Gold ist sowieso meine Lieblingssache zur Zeit. Der Balkon ist auch ein bissel goldig geworden, aber so what.. Je älter Man/Frau wird, um so gold-afiner wird Man/Frau..

Nee, freue mich auf mein Soloweihnachten – ok vielleicht kommen kurze Bullerbü-Rückblicke-Sentimental-Flashes und ich heule kurz vor mir hin, aber dann – nee, allet jut!. Ok, so ganz solo wird es auch nicht – darf doch meine Kinder und Enkelkinder geniessen.  Auch Silvester ist kein Muss mehr – habe gelernt, dass man sich bei Silvesterfeiern um 24 Uhr elend einsam vorkommt wenn alle sich küssen, umarmen und ein neues Leben – das wievielte? – versprechen.  Man kann sich selbst schwer küssen, umarmen und ein neues Leben versprechen – ach, ein neues Leben versprechen? Das tue ich eh nicht mehr. Es ist wie es ist und keiner erwartet etwas mehr.

blommorwaldermardFreue mich auf die Weihnachtsmusik im Radio, auf Januar, wenn die wunderbaren Tulpen überall zu haben sind, auf die längeren Tage. Das ist meine Zeit!

Liebe heutigen Eltern

love

Erlaubt bitte einer alten Rentnerin, Mutter und Großmutter ihr mahnendes Zeigefinger mal zu erheben. Du liebes, heutiges, hippes Elternteil eines Kleinkindes – versuch doch einmal, Deinem Kind auch so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie es Du Deinem Handy gibst. Du kannst Dein Kind nicht einfach gegen ein besseres Modell austauschen, wenn das Modell mal nicht funktioniert. Klappt nicht.. Dein Kind braucht Dich JETZT! Gestern in der U-Bahn (und leider nicht nur gestern..): Das etwa 2-jährige weinende Mädchen steht frei in ihrem Kinderwagen und ruft und ruft nach ihrem Vater. Der freie Fall beim Anfahren der U-Bahn war vorprogrammiert. Der Vater sitzt genau daneben und ist mit seinem Handy so beschäftigt, dass er nichts hört und sieht. Was um Gottes Willen ist so wichtig, dass er das Kind nicht sieht und hört? Keine SMS kann doch so wichtig sein! Mir geht es schlecht wenn ich das sehe und sage nur – arme Kinder.. Schau Dir Dein Kind an, sprich mit Deinem Kind – es ist ein Mensch!! Und Du glaube mir, Du bekommst keine zweite Chance…

Illustration Sophie Herken

Da bin ich wieder..

Ich glaube, ich bin vielleicht auf Weg zurück ins Leben – spüre einen leisen Drang wieder mal etwas zu nörgeln und das muss doch ein Zeichen dafür sein, dass es mir etwas besser geht, oder? So ein klitzekleines Bisschen..

ikeaslussekatterAlso Liebe IKEA, jetzt mal ein ernstes Wort – hör sofort auf, Deine Lussekatter zu verkaufen! Sie sind eine Zumutung! Ich schäme mich bei dem Gedanken, dass die armen Deutschen tatsächlich glauben, dass wir sowas in Schweden essen. Sie müssen sich ja fragen, ob wir überhaupt keine Esskultur da oben im Norden haben.. Deine Monster-Lussekatter sehen zwar ganz okay aus, aber der Geschmack.. hoho.. Sie schmecken wie eine Mischung aus Nichts und Chemiefabrik, beim Kauen wachsen sie so im Mund, dass man sie getrost als Diätprodukt nehmen könnte. Irgendwann mal hörte ich auf zu kauen, weil es erstens nicht schmeckte und zweitens immer mehr wurde. Sehr praktisch. Ein richtiger Lussekatt mit Safran, gelb, glänzend, buttrig, leicht – das sind Lussekatter! Ingvar, Du magst sie doch auch so, oder?

Liebe IKEA – bleibe bei Deiner Leiste mit Billy, Metod, Gräddad und was Du noch alles hast. Nur weil wir hier in der Diaspora leben sollst Du nicht glauben, dass Du uns jeden Mist vorsetzen kannst. Und übrigens: Deine Pepparkakor sind auch keine Spitzenleistung – nee wahrlich nicht.. Und wenn wir Riesenglück haben, hast Du in diesem Jahr Deinen Glögg etwas aufgepeppt, der war auch nicht zu dolle – aber was soll´s, nach dem 3. Glas merkst Du es eh nicht.

pepparkakor

Soll er in der Hölle schmoren..

by-studioVerdammt noch mal! Heute darf ich mich im Blog so richtig schlecht benehmen und ganz laut SCHEISSE rufen! Nicht nur dass ich einen Kopf habe, der nicht so richtig funktionieren möchte, nein, als kleine Krönung des Elends wurde mir heute in der U-Bahn meine Brieftasche gestohlen! Verdammt, verflixt und zugenäht! Ich, die immer um mich schaue, von den Taschendieben weiß,  auf der Rolltreppe höllisch aufpasse und bis jetzt dachte „Mann, sind die Leute doof, die sich beklauen lassen“..

Stand beim Bäcker und schaute wie ein leere Vogelkasten – Brieftasche weg, keine Brötchen. Alles weg, alle Karten, Führerschein, alles. Schnell die Bankkarten gesperrt aber all die anderen? Musste auch ein Enkelkind zum Zahnarzt bringen. Schon mal versucht ohne Karte an den U-Bahn-Automaten zu zahlen? Vergiss es! Geht nicht! Hatte zwar von der Mutter des Enkelkindes einige Scheine bekommen, aber ..  Nee.. Geht nicht..  Also schwarz fahren und klaro  – Kontrolle… Konnte den netten Herren von meinem Elend überzeugen und bekam eine Freikarte zu einer Station an dem ich von einem lebenden Menschen gegen harte Währung zwei Karten kaufen konnte. Das arme Enkelkind wusste nicht ob es kichern oder weinen sollte – kriminelle und schwarzfahrende Großmutter.

Jetzt habe ich alles gesperrt, habe kein Geld, muss morgen zur Polizei gehen und Anzeige erstatten und dann mit dem Wisch von der Polizei bei der Post und bei BVG vorzusprechen um ans Geld und an eine  Monatskarte zu kommen. Und hatte natürlich gestern viel Geld vom Automaten geholt – der Dieb wird sich freuen..  Meinen Pass hat der aber wenigstens nicht geklaut. Und ich, die so aufpasse, auf der Rolltreppe immer schaue, wer hinter mir ist. Und die U-Bahn war gar nicht voll. Wie schaffen sie das bloß? Sieht denn keiner, dass jemand an meinem Rucksack rumfummelt?? Soll der Dieb doch in der Hölle schmoren!! Verdammte Schei….e…

Bilder by-studio/fotolia und rudall30/fotolia

rudall30

Mal eine andere Notaufnahme

saraberdonfotoliaBis jetzt habe ich immer über meine positiven Erfahrungen (kann man also auch haben) über die Notaufnahme hier in Berlin gesprochen. Das war in meinem Favoriten-Krankenhaus (Martin-Luther-Krankenhaus). Jetzt mal von einer anderen Notaufnahme und eine kleine Warnung – wenn Du kannst, meide die Notaufnahme in der Charité in Mitte.  Sie sind fachlich super und sehr berühmt, produzieren laufend Nobelpreisträger aber so für eine kleine unbedeutende Sterbliche, die nur einfach krank ist? Verdammt noch mal, wenn man dort Stunde um Stunde stehend oder sitzend warten muss, dann fängt man an, sich Fragen über  eine vielleicht verbesserte Organisation zu machen. Ich hätte einige Ideen..

Man landet in einem Warteraum, der dem Aussehen nach direkt von der DDR übernommen und seitdem nicht in irgendwelcher Weise aufgefrischt wurde. Müde und leere Informationsbehälter gammeln im kalten Neonlicht so still vor sich hin. Ablage für leere Kaffebecher z.B. Die Stühle und Tische wurden irgendwo zusammengesammelt und reichen beim Weiten nicht für alle aus. Wie super ist es, wenn man das Gefühl hat,  kurz vom dem Sterben zu sein (ansonsten fährt man ja nicht in die Notaufnahme, gell?) und stundenlang dort stehen muss.

DonutIn die heiligen Hallen wohl vorgedrungen  – ach würde ich gerne in so ein Krankenhaus kommen, das so aussieht wie in „In aller Freundschaft“.  Dort wird man von flotten und netten Ärzten empfangen, „Schockraum 1 oder 2“ wird gerufen und dann landet man in einem Zimmer, besser als Hotel Kategorie 5 Sterne, blaue Wände, superschöne Einrichtung und immer Einzelzimmer. Okay das war der Traum. Die jungen Ärzte hier sehen so fertig und müde aus, dass mein Oma/Mutterherz blutet. Ich bin extra in diese Notaufnahme gefahren weil mein armer Kopf in diesem Krankenhaus behandelt wird und dachte, prima, dann haben sie alles was sie so brauchen im Computer. Aber jeder Arzt notierte sich die Angaben auf einem  kleinen Zettel, den er/sie aus der Tasche so hervorkramte, der so ein bisschen wie mein Einkaufszettel für Lidl aussah. Computer? Nee..

Mir gelingt es dann einen Stuhl zu ergattern aber nach der ersten Untersuchung – werde von mehreren jungen und müden Ärzten untersucht – hat natürlich jemand anderes sofort den Stuhl ergattert. Also stehen und das Gefühl haben, jetzt lege ich mich auf den Boden und möchte nur noch sterben.

WalNachdem ich mehre jungen, müden Ärzte kennengelernt hatte, wurde ich mit einem Rollstuhl zum CT gefahren. Der Rollstuhl hatte keine Fußstützen mehr, sondern man hatte eine Verbandsbinde quer gespannt und dort konnte ich meine Füße halbwegs hintun damit sie nicht während  der rasanten Fahrt durch triste und leere Gänge abgehackt wurden. Dem Ingenieur ist nicht zu schwör´n..

Dies ist Berlins bekanntestes, größtes  und renommiertestes – der Flagshipstore sozusagen.. –  Krankenhaus aber glaube bloß  nicht, dass man dort nachts ein MRT bekommt! Weit gefehlt! Der junge Arzt meinte, dass man im CT wahrscheinlich sehen würde, ob ich eine Hirnblutung hätte. Ach ja, der Glaube kann Berge versetzen, steht schon in der Bibel, und nun habe ich wohl Gott sei Dank wahrscheinlich keine Hirnblutung. Empfehlung: noch ein MRT. Ja, bis dahin muss mein Glaube stark sein..

Man entschied also, dass ich wohl keine Hirnblutung hätte – was nach meiner Hirnthrombose wohl nicht allzu abwegig gewesen wäre und so wurde ich mit der Empfehlung nach Hause geschickt, schön Schmerzmitte zu nehmen und jetzt hoffe ich dass der Kopf doch nicht mehr explodieren möchte und füttere fleißig Schmerzmittel bis der Magen protestiert und ich vielleicht ein MRT und Sicherheit bekomme.

Bild oben saraberdon/fotolia und Sophie Herken die anderen

Warum ich mir jetzt schon mein Altersheim ausgesucht habe

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Meinem Haus gegenüber gibt es ein „Seniorenheim“. Es ist ein tristes, graues Haus. Sogar die Birken, die davor wachsen sehen ganz traurig aus, sie wehen langsam, dünn wie Spargel, im Wind hin und her. Nein, es sind keine Trauerbirken – sie haben sich nur angepasst. In diesem Haus wohnen nicht die Reichen aber in Relation zu vielen Rentnern hier bei uns in Wedding doch nicht die ganz Armen. Sie haben manchmal noch eine klitzekleine Goldkante oberhalb der Grundsicherung.

Morgens rollt die Rollatorkaravane aus dem Haus. Man verteilt sich auf die etwas heruntergekommenen und schäbigen Parkbänke. Vor dem Haus ist eine verkehrsberuhigte Zone mit Bäumen, einem Brunnen und andere Sachen, die Dank der Sparhysterie Berlins so langsam völlig verkommen und zuwuchern. Auf den Bänken sitzen sie meistens einzeln. Schauen nach rechts und links, nach links und rechts wenn jemand vorbeikommt. Es gibt auch einige ganz Mutigen, sie sitzen schweigend zu zweit auf den Parkbänken, schauen nach links und rechts, nach rechts und links. Am Abend zieht die Rollatorkaravane wieder ins Haus hinein.

Ich möchte nicht später auf einer etwas heruntergekommen Bank sitzen und langsam vor mich hinwelken- nach rechts und links und nach links und rechts schauend. Ich möchte mit anderen kommunizieren können – auch wenn das was ich dann sage vielleicht auch nur ga-ga ist, aber vielleicht merken die anderen das nicht – sie sind ja auch ga-ga. Wir sind ja alle dann im selben Boot. Ich möchte abends nicht in mein Kämmerchen gehen und den ganzen Tag, kein Wort gesprochen haben – auch wenn, wie gesagt, alles nur ga-ga ist… Und deshalb weiss ich jetzt schon, wo ich hindenken kann – und das macht mir keine Angst..

Bild Tomaso Lizzul/fotolia

Störfaktor

phyzick

Danke an Euch alle, die an mich gedacht haben, als ich etwas von der Rolle war. Jetzt geht es mir langsam besser – ja so gut, dass ich sogar etwas meckern kann. Jawoll! Gegen meine Krankheit – ja, ich höre bald auf davon zu erzählen, will sowieso kein Mensch hören, verstehe ich.. – gibt es neue Medikamente. Man muss nicht unbedingt das Rattengift Marcumar nehmen. Die Sachkundigen sagen, dass dies die Medikamente von morgen sind. Jedenfalls, sie sind neu und meine Diagnose ist extrem selten – echt keine gute Kombi, glaub mir.. Von meiner niedergelassenen Fachärztin bekomme ich nach großem Bauchgrimmen – bei ihr (nicht bei mir)  weil die Kasse vielleicht mit einem Regress an der Tür wummert – jedenfalls doch die Verordnung. Aber wie anfangen? Übergleiten von den jetzigen Spritzen, wie lange, wie hoch?  Hä? Vielleicht so oder vielleicht doch so?  Ich bin ja nun wirklich nicht vom Fach und es sind wahrlich keine Lutschbonbons. Das Wartezimmer ist voll, Panik nahe, Störfaktor raus! Also versuche ich die Spezialistin bei Charité noch zu fragen. Sie schreit wahrscheinlich bald, wenn sie meinen Namen im E-Mail-Postkasten sieht. Wenn ich bis morgen keine Antwort bekomme, ist mein wunderbarer Hausarzt dran. Und wenn er es auch nichts weiß– am Freitag MUSS ich irgendwas machen – dann lege ich mich einfach nieder zum Sterben, so ein bisschen jedenfalls.  Dann kann man mich als Sondermüll entsorgen. Und was ist die Moral von der Geschichte? Hab lieber eine Feld,-Wald-, und Wiesenkrankheit – wenn überhaupt..

Bild PhyZick/fotolia

Noch am Leben..

saraberdonfotoliaJetzt habe ich so oft davon gesäuselt, wie dankbar ich für alles im Leben bin aber jetzt muss ich noch etwas nerviger werden. Wo steht es, dass gerade ich nicht eine welke Tulpe werden soll, dass ich nicht diese fröhliche hüpfende Rentnerin – wie in der Apothekenwerbung – sein soll, bis man den Sargdeckel zuklappt. Was haben die anderen welken Tulpen falsch gemacht, um so bestraft zu werden? Nischt!

War im Krankenhaus – dank einer energischen Tochter, die mich geradezu in die Notaufnahme schleppte. Hatte wahnsinnige Kopfschmerzen aber wer möchte in der Notaufnahme sitzen und über Kopfschmerzen jammern, wenn rechts und links blutende, stöhnende Menschen, Arm/Bein an und ab, sitzen? Jedenfalls wurde ich freundlichst empfangen, in ein Bett gepackt und siehe da – das MRT ergab eine Venenthrombose im Kopfe. Im Kopf!! Andere Menschen kriegen Thrombosen in Beinen oder sonst wo, aber icke? Im Kopf! Es zeigte sich auch dass es eine besonderes tückische und seltene Sorte sei, von 1 Million bekommen sie 3 und vor allem junge Frauen um die 30. Du Da Oben – Zeit für Brille? Was hat man früher gemacht, was macht jemand, die in Aleppo lebt?  Wahrscheinlich geht man in die Wüste/ins Gebüsch, legt sich hin und stirbt. Aber ich wurde mit Karacho auf die Intensivstation gerollt und mit wichtigen Sachen vollgepumpt. Wieder Zeit für: Unendliche Dankbarkeit..

kzenon-sjukhuslitenWenn Elend und Jammer hinter mir stehen, denke ich, dass sie vielleicht bald kommen und mich holen und dann werde ich so unendlich dankbar dafür, dass ich noch so gut und schön lebe und könnte jeden Arzt, der nicht so viel Verstand hat, dass er wegläuft und sich versteckt, umarmen.  Meine ewigen Fragen wurden meistens geduldig beantwortet, der Chef nahm sich die Zeit, sich aufs Bett zu setzen und die Hand der ollen Tante sanft zu streicheln. Und jetzt, jetzt bin ich zu Hause und denke manchmal, oh je, wie soll das hier werden? Hatte mich schon in einem Seniorenstift anmeldet – bin so eine, die immer alles planen muss – aber wollte nicht die Stiftszeit überspringen und gleich in der Pflegeabteilung landen.. Du Da Oben – Du möchtest mich wohl doch nicht jetzt schon haben – oder? Können wir noch etwas warten? Wäre das ein Deal?

Bilder Saraberdon/fotolia und Kzenon/fotolia