Ach zum Teufel…

mariashusWieso so unflätig „Ach zum Teufel“? Das war unser Mantra, wenn wir den anderen unsere Texte vorlesen sollten, wenn wir das Gefühl hatten, dass dieser meiner Text nicht grad für den Nobelpreis nominiert werden würde. Die Ansprüche an uns haben wir dann doch unten im Tal gelassen, als wir in das kleine und winzige verschlafene Bergdorf Arconsat (100 Einwohner, die uns mit einem freundlichen „Bonjour et bien venue Madame“ begrüßten) in der Auvergne in Frankreich hochfuhren. Eine Woche Schreibkurs mit meiner absoluten Lieblingsschriftstellerin! Ein Erlebnis fürs Leben – aus finanziellen Gründen wird er wohl auch leider der Einzige bleiben. Ob ich jetzt besser schreibe oder nicht – das mag dahingestellt sein – bin eher der Spontityp und halte mich weniger an Regeln als an Gefühlen, aber das Prinzip wie man es machen könnte, habe ich vielleicht verstanden.

Was mich auch fasziniert ist, wie eine Gruppe aus 9 völlig verschiedenen Frauen zu solch einer homogenen Gruppe mutieren kann. Wir waren von 24 bis 72 Jahren alt (warum muss ich immer die Älteste sein..), mit total unterschiedlichen Lebensläufen und Erfahrungen. Naja, internistisch gesehen waren wir vielleicht nicht so richtig homogen, einige haben so überirdisch gut geschrieben, dass wir atemlos waren. Aber die Liebe und die Freude zum Schreiben, die hatten wir alle.

Und dazu unsere „Frau Lehrerin“, Karin, die uns mit fester, liebevoller Hand durch die Klippen des Schreibens lotste, immer aufmunternd, voller Ideen und anderer Blickwinkel. Ihr Humor, Können und ihre Schlagfertigkeit und Freude und ihre wunderbare Sprache  waren für uns das Lebenselixier, wenn wir irgendwo und irgendwie gestrandet waren. Dann half auch mal ein „Ach zum Teufel“.  Dazu Marias wunderbares Essen, die Aperitifs auf der warmen Kirchtreppe in der Abendsonne auf dem winzigen Marktplatz, der kleine Brunnen mit dem kühlen Quellwasser. Das Plätschern hat uns abends, satt und rotweingefüllt, sanft in den Schlaf gewiegt und morgens ganz leise geweckt. Dazu das vorsichtige, sanfte Bimmeln der Kirchglocken.. Und Dankbarkeit darüber, dass andere Frauen mich haben in ihre Seelen blicken lassen – denn das ist was man doch tut, wenn man schreibt.

dörrklänningInfos zu dem Bild: Marias Haus war mal eine Pension und ein Café:  Café du Commerce C. Bonjean.

2 Gedanken zu „Ach zum Teufel…

  1. Elvira Löber

    Liebe Cecilia,

    danke für Deinen wundervollen Bericht voller Begeisterung und Gefühl. Es verschönert heute meinen Morgen, dass ich an der Erfüllung Deines großes Wunsches teilhaben darf.

    Ganz herzliche Grüße
    Elvira

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Danke Elvira, wenn ich es geschafft habe, meine Begeisterung und mein Gefühl zu vermitteln, haben die Tage vielleicht etwas gebracht! Dir alles Liebe!

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