Ärztliche Weitsicht – was ist das denn?

Wie Ihr wisst habe ich einige Maläsen mit meinem Herzen, die ja sogar dazu geführt haben, dass ich tot vom Stuhl gefallen bin, also für mich keine Kleinigkeiten. Okay, passiert nicht jeden Tag und laufe nicht mit einem Schild herum auf dem steht „Warnung! Habe dies und das“.

Nach Weihnachten bekam ich jetzt  meine dritte Blasenentzündung (ja ja, zähl ruhig nach: 3 Blasenentzündungen in 30 Tagen.. stöhn..) und nun bekam ich ein neues Antibiotikum, nachdem man nachgeschaut hat, welche Killerbakterien sich bei mir wieder heimelig gemacht haben. Es ist Freitagnachmittag (lerne: am Freitagnachmittag NIE einen Arzttermin machen!) und nächste Woche haben die Schulen Ferien und das heißt, dass alle Ärzte bis zum Mittleren Alters schon auf der Autobahn Richtung Skigebiete sitzen. Lese den kilometerlangen Beipackzettel und SIEHE DA! Wenn man „dies und das“ hat ist es GEFÄHRLICH, GEFÄHRLICH, GEFÄHRLICH! Versuche dennoch die Praxis anzurufen und höre der säuselnde AB „Bitte rufen Sie uns in einer Woche (bis dahin bin ich sicherlich schon dreimal gestorben) wieder an“.

In allen Werbungen heißt es „Fragen Sie Ihren Arzte oder Apotheker“ also rufe ich die Apotheke an. „Oh nein, solche schwierigen Fragen können sie wirklich nicht beantworten“. Was lernen sie dann in ihrem Studium außer Pillen zu drehen und Salben zu mischen?? Glücklicherweise hat die Tochter einen Freund der Kardiologe ist – er muss im Krankenhaus die Stellung halten – und er sagt, ok, versuche es. Du hast ja den ICD (das ist der in meiner Brust eingebauten Defibrillator, der mich wieder ins Leben zurücktreten soll) und am Montag lässt Du ein EKG machen, um zu sehen, ob Veränderungen sind. Ja wo denn? Alle sind doch verreist??

Ich frage mich nur jetzt warum der Facharzt nicht einen Überblick über den ganzen Patienten haben kann. Wäre irgendwie ein gutes Gefühl. Es ist nicht nur die „Blase-Stickler“, die durch die Tür hineinmarschiert, sondern auch „Dies-und-Jenes Stickler“. Warum soll ich, alte Tante, die eiserne Kontrolle haben, um zu überleben? Hä??

Bild Sara Berdon/Fotolia

4 Gedanken zu „Ärztliche Weitsicht – was ist das denn?

  1. Gudrun Loche

    Liebe Cecilia,
    oh Gott, oh Gott, das hört sich ja gar nicht gut. Ja, so sind die Mediziner heute. Ich kenne das, als meine Mutter im Krankenhaus eine neue Herzklappe bekam. Und Beipackzettel sind die Hölle.
    Ich drück dir beide Daumen, aber du schaffst das.

    Herzliche Grüße
    Gudrun

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  2. Elke Schilling

    Liebe Cecilia,
    Entschuldige, das ist kein Zynismus, sondern bittere Wahrheit:
    FACHärzte sind Fach-Ärzte. Das heißt, es gibt nicht die Person, sondern das FACH, was heißt, EINE Diagnose, ein Fach, auf das die Person reduziert wird. Wenn du, die Person, darauf vertraust, dass jemand die Fächer und den Rest zusammen anschaut, um für die ganze Person zutreffende Schlussolgerungen zu ziehen, darfst du das aus Selbsterhaltungsgründen eher nicht dem Facharzt anvertrauen.
    Schulmediziner haben selten den ganzen Patienten im Blick und Allgemeinmediziner haben eben das Allgemeine im Blick, was schwierig wird, wenn vieles Spezielle zusammenzubringen ist. Leider ist die Omnipotenzannahme der „Götter in Weiß“ wenig geeignet, mündige, selbstbestimmte Patient*innen zu generieren, die imstande sind, sorgsam nach innen zu lauschen, was gut für sie sein könnte und was nicht.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen die Kraft und den Mut, all diesen Zumutungen achtsam zu begegnen!

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Elke, dass Du eine kluge Frau bist wusste ich schon immer. Danke Dir! Ja, wenn frau – wie ich – ein Mensch mit so vielen so verschiedenen recht ungewöhnlichen Krankheiten ist, ist es ein bisschen wie Lotto spielen. Mal hat man Glück, mal nicht und denke, verdammt, sie haben doch jahrelang studiert, dürfen weißgekleidet die Bewunderung der Menschen einheimsen, viel Geld verdienen und dann ERWARTE ICH ETWAS! SO ETWAS WIE WEIT- UND ÜBERSICHT!!! Iss ja gut, tief durchatmen und ruhig sein.. Glückwunsch wegen Silbernetz! Scheint eine so notwendige Institution zu sein!

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