Berlin – manchmal ist es nicht so einfach..

Bin bei REWE um einzukaufen und habe an der Kasse bezahlt und versuche – mein Gott, wie dumm darf Frau sein? – die Brieftasche schnell einzustecken bevor ich meine Waren zusammenraffe. Schon rollen die Waren meiner Nachfolgerin an und da Rewe, ein der wenigen Läden ist, der den Luxus von so einem „Trennbrett“ hat, lege ich das Brett schnell um. Meine Nachfolgerin zischt mir hasserfüllt zu: „Meine Güte, jetzt muss ich mich darüber strecken!!“ Hass in den Augen. Ich muss völlig verstört ausgesehen haben – manchmal erwischt man mich auf dem falschen Fuß, habe die Berlinattackwappen nicht ausgefahren – und sie überholt mich am Ausgang und versucht etwas versöhnlich „So schlimm war es doch nicht!“. Ich sage ihr, dass das Einkaufen in Deutschland ein Überlebenskampf ist. Sie ändert sofort ihre Versöhnungsbereitschaft und zischt mir zu „Deutschland, immer Deutschland! Na, dann gehen Sie doch zurück da wo Sie herkommen!“

Am Nachmittag zur Muntration ein Kinobesuch (übrigens „Die Kundschafter des Friedens“ war ganz wunderbar!). An der Kasse sage ich, dass ich gerne eine Karte ganz hinten in der Mitte hätte. Die Kassendame teilt mir mit, dass nichts Mittiges mehr da ist. Ich versuche an ihrem Topsecret-Schirm zu sehen, was sie damit meint und das gefällt ihr nun gar nicht und sagt sehr laut „Ich habe doch gesagt, dass es nicht in der Mitte ist – NICHT IN DER MITTE! (Orkanstärke)“. Ich wollte doch nur sehen, ob ich womöglich hinter einer Säule oder sonst wo landen würde. Schon leicht vorgeschädigt von dem Rewe-Einkauf sage ich „Ja, das ist wohl der Berliner Charme nehme ich an“. Sie schaut mich ganz finster an grinst böse und sagt „Ja so iss´ es“.

An solchen Tagen fällt mir meine Liebe zu Berlin etwas schwer muss ich zugeben.

2 Gedanken zu „Berlin – manchmal ist es nicht so einfach..

  1. Anne Herter

    Oh Cecilia, wieder mal kann ich dich ausgsprochen gut verstehen. Mein Mann (der, welcher immer alles besser weiß!!) sagte mir zwar man soll nicht vergleichen…..manchmal muss man aber einfach, um den Unterschied festzustellen!
    Komme mit dem Zug aus Aachen auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof an, der ja im „Moment“ umgebaut wird. Ein Chaos und Geschiebe, Hektik,unfreundliche Gesichter. Am Automat wo man Karten für die U-Bahn lösen kann, suche ich kurz (wirklich gaaaanz kurz) in meiner Tasche nach dem Geldbeutel. Neben mir ein Business Mann in Anzug und Krawatte sagt auf Schwäbisch “ ha noi, gehts au no langsamer. Rentner die hen oifach zu viel Zeit „. Er drängt mich zur Seite und löst seine Fahrkarte. Ich sage nur: „Willkommen in Stuttgart“ . Ein bisschen Freundlichkeit, ein wenig Humor – wie viel netter wäre das.
    Du siehst die Schwaben sind auch nicht besser….

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Oh Anne, jag trodde att det bara var Berlinarna som är så gräsliga ibland.. Lite tröst i eländet..

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