Archiv der Kategorie: Allgemein

Wie doof darf frau/ich sein??

Mein morgendlicher Frühsommer-Ausguck vom Balkon.  Kontrolle ob eine neue Blume sich über Nacht aufgemacht hat,  schauen wie weit das Baumgrün unten auf dem Platz gediehen ist (leider auch sehen wieviel Müll sich am Abend angesammelt hat, aber das stört das Schöne zur Zeit nicht). Und WAS SEHE ICH??? Da sind zwei ältere Leute, die den Glascontainer Zacki-Zacki sauber machen. Ein älteres Paar das putzt und putzt,  so dass es glüht. Kann nicht wahr sein! Es gibt noch mehr Nachbarn, die sich engagieren?!? Muss sofort runter, „Hallo“ sagen und Kontakt aufnehmen – je mehr wir sind umso besser. Fröhlich schlüpfe ich aus dem Schlafanzug in „Normalkleidung“ und laufe hinunter. Dann sehe ich es – das offene Transportfahrzeug der Firma X steht dort mit dem Reinigungsmaterial. So war es also – keine engagierte Nachbarn.. Wie blöd darf ich sein??

Bild Sophie Herken

Leben wir in Deutschland doch in der Cyber-Steinzeit?

Heute musste ich verschiedene Überweisungen für Fachärzte holen.  Frau ist nicht so ganz courant. Zuerst quer durch Berlin Richtung Westen – wir wissen alle,  dass Berlin groß ist, gell? Hatte klugerweise vorher angerufen, da ja letzte Woche Ostern war und der ermattete Arzt muss ja auch mal Urlaub haben dürfen.  Das in der Praxis zurückgelassene zarte Geschöpf erklärte mir, dass der Gott in Weiß nicht anwesend sei, aber ich könnte die Überweisung dennoch bekommen. Gesagt getan.

Jetzt quer durch Berlin ins wilde Wedding. Wir wissen immer noch wie groß Berlin ist, gell? Hier stand ich dann vor der Tür mit dem Aushang, dass die Praxis diese Woche geschlossen sei. Ich hatte nur die Webseite angeschaut, nix von Urlaub also reingelegt und so durfte ich wieder ein bisschen quer durch Berlin fahren. Gönnen meiner Lieblingspraxis jeden Urlaubstag – echt..

Warum kann man das alles nicht elektronisch erledigen? Auch das Abchecken der KK-Karte – das ALLER WICHTIGSTE UND HEILIGSTE – müsste doch irgendwie elektronisch möglich sein. Ja ja, Top-secret… Wieso kann ich als Übersetzerin für Kunden bei Behörden in Schweden einfach anrufen und Meldebescheinigungen bestellen, die – jetzt ganz tapfer bleiben – an mich – wildfremde Person ohne Vollmacht – sofort geschickt werden?  Aber solange ich keine Steintafel und keinen Meißel mit mir herumschleppen muss, soll ich wohl dankbar sein?

Bild 181635848 Magnus Fotolia

Zäh, zäher, am zähesten..

Diese alte, welke Tulpe radelte heute Morgen, früh, ganz früh, zum Fitness und kämpfte mit allen elenden Geräten und schielte verstohlen nach links und rechts wo ganz anderes gehoben wurde.. Nach einer Stunde war die Qual vorbei und ich etwas moralisch gestärkt und wie glaubt Ihr wohl, dass die Tulpe jetzt aussah?  So??

Nee, immer noch so.. aber kein Grund zur Traurigkeit (sagen alle anderen und was wissen sie eigentlich wie verdammt zäh es ist?). Und war lernen wir jetzt daraus? Zäh, zäher, am zähesten.. Aber es MUSS wieder werden…(sagen die anderen..)

So warm fühlt sich Empathie an…

Bin ein relativ neues – nee doch nicht neues, eher nicht so aktives – Mitglied eines internationalen Frauenvereins. Frau trifft sich einmal im Monat beim Vortrag, Plausch und bei anderen echt tollen kulturellen Angeboten. Die Damen sind mir noch nicht so richtig nah, ich komme mir da eher wie ein komischer Vogel vor. Die Damen sind ausgesprochen freundlich aber ausgesprochen gebildet, wohl situiert und gehören einer ganz, ganz anderen sozialen Schicht an als meiner einer im assigen Wedding.

Gestern war ich seit meinem Herztod zum ersten Mal wieder dort. Dachte, dass sich mein kleiner Unfall noch nicht so rumgesprochen hätte und nicht so wichtig wäre, aber wurde von der so intensiven Wärme, Herzlichkeit, Empathie so überrascht, die mir geradezu entgegenschlug und umarmte. Damen, mit denen ich eigentlich noch nie gewagt hatte, ein Wort zu sprechen, kamen auf mich zu und sagten, wie glücklich sie darüber waren, dass ich das alles überlebt hatte. Gefühle, die vom Herzen zu kommen schienen. Langes Händeschütteln mit mitfühlendem Ausdruck. Wusste gar nicht, dass sie meine Wenigkeit auf ihrem Schirm überhaupt notiert hatten. Meiner einer…

Okay, ich werde – versuchen –auf(zu)hören, über meinen kleinen Unfall zu schreiben, aber das hat mich doch so sehr berührt und fuhr glücklich mit wunderschönen Blumen und mit meiner lieben, ollen U9 nach Hause. Den ganzen Abend war ich glücklich und berührt.. Meiner einer… Ach ist Empathie doch wunderbar.. Und Euch allen anderen wunderbaren Menschen – Danke, ich trage Euch immer in meinem etwas ramponierten Herzen..

Bild: Ballon Robert Kneschke Fotolia

 

Mein fremdes Ich

Ich beschließe heute, dass HEUTE der TAG ist, an dem ich wieder anfange, Rad zu fahren. Das 3-Monats-Verbot ist passé und auf dem Weg zu meinem lieben alten Rad – habe jeden Morgen vom Fenster aus nachgeschaut, ob es noch da ist, ob nicht irgendjemand z.B. (wieder) Gefallen an meinem Sattel, Licht gefunden hat – kommt der Gedanke:“ Das Rad hat ein Schloss (logisch – ansonsten wäre es schon längst über alle Berge, die wir in Berlin zwar nicht haben, aber..) . Also muss ich das Schloss aufschließen. Wie geht das? Wo ist der Schlüssel dazu?“ Nach einer Weile sehe ich an meinem Schlüsselring einen kleinen Schlüssel, den ich lange nicht mehr benutzt habe und Voilá! Für mich ein ganz fremder Gedanke: Ich weiß nicht, wie ich mein Rad aufschließe! Ein sehr unangenehmes Gefühl – irgendwas ist in meinem Kopf passiert und es ist scheinbar nicht mehr nur mein Kopf. Jemand hat irgendwas dort weggenommen. Bitte, gib mir alles wieder zurück! Alles!!

 

Vertrauen..

Habe 130 cm in der Schule abgeholt und wir haben zuerst das Survivalpaket bei Edeka und in der Bäckerei eingekauft. Gut dass die Eltern das nicht mitbekommen.. Dann sitzen wir friedlich zu Hause und arbeiten mit Bügelperlen – ich muss auch – hören Bibi und Tina und Friede herrscht.- Da ich etwas Schmerzen habe, lege ich mich aufs Sofa – das tut gut. 130 cm fragt mich warum ich dort liege. Sage ihr ehrlich, dass ich Schmerzen habe und, dass es gut tut. 130 cm dreht sich zu mir um, schaut mich kurz an und sagt: „Du stirbst wohl jetzt nicht?“ und arbeitet fleißig mit den Bügelperlen weiter, nachdem ich ihr versprochen habe, nicht gerade jetzt zu sterben. Gut wenn sie Vertrauen dazu hat, dass ich entscheide, wenn es wieder mal so weit ist..

Bild Fotolia 72871878

Ein besonderes Aufräumen..

Das Leben ist manchmal etwas verwunderlich, und obwohl ich bald 74 werde, verstehe ich  es nicht immer. Habe jetzt eine Weile mit der Grippe im Bett gelegen (ja, man nimmt was man hat..). Fieber, matt, nachts ohnmächtig auf den Boden gelandet, der so elendig kalt war und erst nach langer Zeit so viel Kraft mobilisieren können, dass ich in mein kuscheliges Bett wieder kam. Aber ok – es war keine Grippe, es war/ist eine heftige Bronchitis, aber die Grippe hört sich doch etwas dramatischer an.

Aber jetzt hatte ich es satt, sinnlos leidend hier in der Wohnung herumzuschleichen (bei 55 qm ein Kunststück) und hatte einen ausgezeichneten Therapieplan – ich setzte mich vor meiner Speisekammer, zwei IKEA-Schränke mit allem, was Frau essensmässig so braucht, und fing mit dem „Sterberäumen“ auf. (Das ist ein wunderbares Wort aus der schwedisches Sprache. Man räumt auf, damit die Nachkommen nicht so viel Arbeit damit haben).130 cm kontrolliert immer, ob alles noch haltbar ist und rügt mich – ein Glück, dass ich ihr zuvorgekommen bin, hatte antike Packungen aus 2016!! Das Enkelkind hätte sich vor Ekel gewindet. Meine Versuche ihr zu erklären, dass es nicht lebensbedrohlich ist, scheitern. Der besondere Korb mit den Süßigkeiten wird akribisch immer auf Haltbarkeit untersucht, und sie widersteht jede Versuchung, womöglich ein Kaugummi aus Januar 2018 zu verzehren. Das nenne ich Charakter!

Aber da saß ich auf dem Boden vor meinen IKEA-Schränken und fühlte mich durch mein Sterberäumen sofort viel gesünder!  Und schickte einen liebevollen Gedanken an meine Favvo-Schriftstellerin Bodil Malmsten  „ Wir die leben, sind nur Tote im Urlaub. So eine Art Sommer-Gäste“. Sie hat uns als Sommergast leider schon verlassen.

Liebe Bodil! Fühle mich dennoch gleich etwas gesünder!

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Oh Berlin…

Oh Berlin, meine Liebe zu Dir wird wirklich auf den Prüfstand gestellt, wenn ich sowas sehe! Das hier ist ein winterfest gemachter Trinkwasserspender, den wir im letzten Sommer mit viel Mühe in Berlins Sparwahnsinn doch bekamen. Was sind das bloß für Menschen, die sich so verhalten? Sowas von asozial, dass ich mit meiner Liebe zu Dir hadere!

Da bin ich schon wieder!

Ja, ich kann wirklich sagen, dass ich „von den Toten auferstanden bin“, wer kann das schon? Hier bin ich wieder! Endlich wieder zu Hause nach gefühlten Monaten. Ok, es ist Anfang Dezember passiert und jetzt haben wir Anfang Februar. Zwei Monate, die sich wie Jahre anfühlen. Aber soll nicht klagen. Ich habe solch ein Glück gehabt, dass ich wirklich nicht weiß, wie ich das verdient habe. Ob der liebe Gott sich geirrt hat, vielleicht wollte er einem anderen Menschen was Gutes antun?

Teils tröste es mich, teils beunruhigt es mich, wenn ich über die Folgen vom Herzstillstand lese. Alles von miserabler Konzentration – ok, war ja nie Weltklasse bei mir -, Depression und anderen nicht allzu schönen Sachen. Ich spüre am meisten die schlechte Kondition. War ja in der Reha und die Götter in Weiß haben uns immer wieder gepredigt, dass BEWEGUNG für uns Herzler lebenswichtig ist. Mindestens 10 000 Schritte am Tag mit einem Spurt von 30 Minuten. An einigen Tagen ist es wie verflixt – so ein Tag ist heute. Obwohl ich mit hängender Zunge die 10 000 Schritte geschafft habe so würde  der Spurt von 30 Minuten mich heute definitiv umbringen. Oh ich vergaß, mein ICD sollte mich wieder ins Leben zurückholen.

Fehlende Konzentration und kognitive Fähigkeiten. Oh, oh, nicht Gutes für meine Übersetzerei!. Erwarte einen Schwall von Klagen und kontrolliere und kontrolliere bis ich fast blind werde. Depression ist ja auch nicht so was, was man sich so wünscht und klar, wenn ich im Internet über Herzstillstand und die Folgen lese oder wenn jemand was besonderes Nettes zu mir sagt, dann fangen die Tränen an zu laufen. Habe verdammt noch mal irgendwie die Macht über meine Tränenkanäle verloren und als ältere/alte Frau ist das ja schon etwas peinlich. Heult die einfach los, die Alte. Aber liebe Freunde und Freundinnen, das haltet Ihr aus oder? Ihr wunderbare Menschen, die mich in der schweren Zeit so gestützt haben.. Ich danke Euch dafür!

 

Bild mathiassener/fotolia

Wie es ist, ein bisschen zu sterben..

Ich dachte immer, dass man am Ende des Tunnels ein Licht sieht, dass man himmlische Harfe und Trompeten hört, wenn man stirbt. Jetzt kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Nach 11 Minuten Tod-sein, so ist das einzige, woran ich mich erinnere: Ein schwarzer Karton. ich weiß nicht in welchem Zusammenhang –  nur ein schwarzer Karton. Aber vielleicht ist es so, wenn man wieder ins Leben zurückgeholt wird, es „gilt“ nicht als echter Tod.  Und klar habe ich mehrmals darüber nachgedacht, warum ich eigentlich nicht sterben durfte. Es war ja ein Tod, von dem viele Menschen träumen und für mich, bald 74 nicht so abwegig und ich hätte ja nicht traurig sein können, denn ich war ja schon tot. Aber ich habe etwas dazu gelernt: das es egoistisch ist von mir, ich habe gelernt dass ich eine Familie habe, wunderbare Töchter und Schwiegersöhne, wunderbare Enkelkinder, eine wunderbare Schwester und das es von mir nicht so super wäre, mich so einfach aus den Staub zu machen.  Ohne diese Menschen und alle Freunde, die mich ins Leben zurückgewünscht haben, wäre ich gerne gestorben, aber ich habe jetzt einiges dazugelernt und habe jetzt vor, mich noch etwas an diesem Leben festzuklammern.

Hab ein bisschen Sorge, dass ich mein „Glückssoll“ verbraucht habe. In Melanders vorzüglichem Fischrestaurant in Täby Center zu sitzen – das nächste Mal setze ich mich nicht auf die hohen Stühle, es war eine blutige Angelegenheit als ich dort auf den Marmorboden gelandet und einfach mausetot war. Dass ein pensionierter Kardiologe aus dem Krankenhaus neben mir saß, dass er schnell einen Defibrillator in Gang bekam, dass der Krankenwagen mit fähigem Personal schnell da war und mich schnell ins Krankenhaus brachten.  Dass ich schnell runtergekühlt, ins Koma gelegt und nach einigen Tagen vorsichtig ins Leben zurückgeholt wurde. Immer mit der bangen Frage: Wieviel vom Gehirn ist kaputt gegangen? Tag für Tag arbeiteten sie mich und ich mich nach oben. Danke an meine Familie, die ständig an meinem Bett saß und einfach Wange oder Hand streichelte.

Nicht die Kraft haben, ein Finger zu heben, sich womöglich etwas seitlich drehen, was eh teuflisch weh tat nachdem die Rippen nach der Herzmassage lädiert waren. Hatte immer den Weihnachtswerbelaster von Coca-Cola vor mir, das Gefühl, als würde er mich jetzt  überfahren.  Nur nicht husten müssen was bei einer heftigen Lungenentzündung zwangsläufig ist, mich gar nicht bewegen.

So, jetzt habe ich eine Runde ums Haus gedreht und nach meiner Reha, die in 2 Wochen beginnt, hoffe ich wieder Mensch zu werden. Vielleicht nicht so ganz, aber doch ein bisschen.. Danke an alle, die an mich gedacht haben.. Es war eine gute Erfahrung.

Foto Datei 96413985  Urheber 2017

Das ist Berlin..

Neu in Berlin? Lektion 1: Hier fackeln wir nicht lange mit Höflichkeiten und solch unnützen Dingen  herum. Nimm´s nicht persönlich – bist in guter Gesellschaft. Wir sind viele Nicht-Berliner, die mit der Zack-Pang-Boom-Art etwas hadern..  Man hätte ja auch – vielleicht, eventuell – schreiben können: “ Liebe Kunden, ab sofort müssen wir leider pro Tragetasche 0,10 € berechnen“, aber nee – ZACK AB SOFORT – SONST KNALLT´S!!!

Siehe da..

Auf auf der anderen – guten – Seite der Bernauer Straße, dort wo die guten, kreativen, wohlbestellten wohnen, auch dort pflegt man die Sitte „ich stelle den Billy einfach auf die Strasse und mache die Augen zu, vielleicht hat er sich bis morgen verdünnisiert“.. Tröstet mich, dass man in dem feinen Kiez auch nur mit Wasser kocht..