Archiv der Kategorie: Allgemein

Heimwehzeit wieder mal..

“Same procedure as last year?” “Same procedure as every year, James“ sagt die Gräfin dem Butler in dem bekannten Silvesterstück. Und genauso „same procedure als every year“ schlägt das Heimweh bei mir wieder zu. Jetzt, wo die Natur am aller schönten, am aller zartesten ist, alles ist berauschend grün, frisch, blühend. DANN schlägt das Heimweh mit aller Kraft zu. Die Sehnsucht danach am frühen Morgen, wenn alle noch schlafen, mit der Tasse Morgenkaffee alleine auf der sonnengewärmten Steintreppe vor dem Haus zu sitzen und über die blühenden Wiesen, die unglaublich gelben Rapsfelder  auf das Meer, das in der Sonne glitzert, zu schauen. Alles ist still, nur die Vögel zwitschern wie besessen. Dann tut das Heimweh in mir richtig, richtig weh und würde gerne das ganze superhippe Berlin gegen die stille sonnengewärmte Treppe in the middle of nowhere mit dem Morgenkaffee austauschen.. Aber ok – mein Balkon in Wedding muss es auch tun..

Bild Doris Beling Folie/imagebank.sweden.se

Designabenteuer Nummer 2

Jetzt gehe ich davon aus, dass ich eine Frau bin und auf die Toilette gehen muss. Einige Klos sind wirklich nicht so heimelig, dass ich mich darauf setzen möchte und mache deshalb akrobatische Übungen, um dem zu entgehen und die Klobrille passabel zu hinterlassen. Jetzt akrobatisiere ich dort, um den Hals hängt die Handtasche, den Mantel muss ich auch festhalten und jetzt, jetzt brauche ich das Klopapier! In dieser Riesenrolle gibt es kein Anfang und kein Ende – wie es im Leben so manchmal ist – und ich scharre und fummele nach dem Anfang. Die Beine zittern schon von Milchsäure und ENDLICH gelingt es mir, ein Stückchen zu ergattern. Aber wie bei der Tesafilmrolle – zack!- ist es wieder abgerissen.

Ich fummele noch vorsichtiger und es gelingt mir ein längeres Stück zu ergattern, aber da die hauchdünnen Klopapiere nicht mehr perforiert sind, habe ich ein ca. 15 cm langes und 2 cm breites Stück in der Hand. Herr Gott noch mal, warum perforiert man das hauchdünne Papier nicht mehr? Ich schwöre 100 Jahre Unheil über die Erfinder dieser Megarollen mit dem hauchdünnen Papier. Früher war das Klopapier in Berlin eher Marke Holzstück – jetzt genau anders herum. Diese Megarollen sollte abgeschafft werden –meine armen Rentnerbeine packen das nicht mehr!

Geschlossen zwischen Flieder und Traubenkirsche?

Der alte Schuster, der in Schweden das Schild ”Geschlossen zwischen Flieder und Traubenkirsche” in sein Fenster hängte, um die zauberhafteste Zeit des Jahres genießen zu dürfen, er hätte es in Berlin nicht leicht gehabt. Jetzt duften Flieder und Traubenkirsche – von einer lieben Freundin – gleichzeitig betörend bei mir hier in Berlin, in der inzwischen nicht mehr wunderbaren Berliner Luft und führen mich in meine Kindheitssommer zurück.

Totale Flexibilität

Heute im Sanitätsladen um Kompressionsstrümpfe zu kaufen. Wunderbar jetzt wenn es wärmer wird – FALLS es wärmer wird, zweifle langsam daran.. Die freundliche junge Dame zeigte mir ein Paar Größe 38-40 und bei meinen Bedenken, ob das für meine nicht allzu zarten Füße Größe 41,5 reichen würde? „Oh, sie geben nach einer Weile nach“ verkündete das bezaubernde Wesen fröhlich. Ich wollte jedoch eine größere Größe sehen – lebe auf großem Fuß -. Diese wäre Größe 41-46. Liebe Hersteller, was soll der Quatsch mit den zusammengelegten Größen? Wozu haben wir Größen überhaupt? 41 ist´ne Nummer anders als 46! Bei meiner Grübelei konterte die bezaubernde junge Damen“ Oh, sie gehen in der Wäsche auch etwas ein, das geht sicher gut“. Schön wenn man so flexibel sein kann – ob man sowas in der Ausbildung lernt? Habe 41-46 genommen.. passt..

Designabenteuer

Schönes Design ist Balsam für Auge und Seele aber manchmal doch auch leicht unpraktisch. Wie oft habe ich nicht in einer Hoteldusche eingeseift gestanden und verzweifelt versucht, aus der top-designed Dusche etwas Wasser zu entlocken. Aber okay ich bin ja auch nicht die Zielgruppe und habe selber schuld.

Heute war ich im Hotel Stue – dänisch und top-designed. Wollte die Hände waschen. Hatte sie mit der luxuriösen Seife (sowas habe ich nicht zu Hause) schön eingeseift und stand dann dort wie ein leeres Vogelhäuschen davor. Ich drehte den minimalistischen Knopf nach rechts und links, zog und schob. Nix! Also versuchte ich die luxuriöse Seife mit den noch luxuriöseren Papierservietten abzuwischen und in einem letzten verzweifelten Versuch habe ich den minimalistischen Knopf mit dem Handtuch angefasst und siehe da – plötzlich gab es Wasser.  Da ich nicht wusste, wie ich das hingekriegt hatte, war es nicht ganz unproblematisch,  das Wasser abzustellen aber, in Echt, ich wäre rausgegangen, ohne das Wasser abzustellen.  So eine bin ich!

Die nächste Prüfung stand bevor – die Tür. Ein wunderschönes Teil, das was wohl als Türgriff dienen sollte, aber das man gar nicht anfassen konnte, weil man nur abrutschte. Geht die tonnenschwere Tür nach Innen oder Außen? HA!! – nach Innen – den Scharnieren nach. Rutschte nur ab – bleibe ich jetzt auf dem Klo sitzen bis jemand mich erlöst? Aber mit zwei Händen habe ich die Tür dann aufgekriegt. Ich dankte Ihm Da Oben dafür und freute mich auf meine altmodischen Türgriffe und Wasserhähne zu Hause. Liebe junge dynamische Designer  versucht doch mal selbst mit eingeseiften Händen Eure Werke in Gang zu bekommen! You lose! Aber klar – was hatte ich auch im Stue zu suchen

Berlinstress

Mann, hört doch endlich auf, an den Kassen so zu hetzen! Heute in einem Supermarkt fand ich eine Seelenverwandte, die am Ende der Kasse stand und vor sich hin schimpfte. Sie schimpfte, weil man ja nicht alles gleichzeitig machen kann, zahlen, einpacken und sich wegbeamen lassen. Wir waren uns rührend einig, dass das ein Elend ist.

Wenn ich zur Kasse marschiere, bin ich in Hab-Acht-Stellung Alarm-Stufe ROT! Habe schon meinen Geldbeutel aus der Handtasche rausgefriemelt, schnelle Kontrolle wie die Wechselsituation aussieht (kann ja nicht immer mit einem 50 €-Schein zahlen, irgendwann ertrinke ich in und mit Münzen), habe meine Waren brav aufgereiht und habe noch dazu eine elende Pay-Back-Karte, die abgelesen werden muss und die ich an dem Ablesegerät prinzipiell falsch halte (nee nicht absichtlich..), dann zahlen, wachsames Auge auf die Waren, die schon runtergerollt sind, böses Auge auf den Nachfolger, zahlen, einpacken, Geldbeutel in die Handtasche stecken und diese auch noch zumachen – wenn man schon ausgeraubt wurde, hat man leichte Paranoia – dann mit Affentempo die Waren retten, einpacken und sich verdünnisieren. Jubel in der Warteschlange! Endlich ist die olle weg!

Und dann gibt es Tage an denen ich im Trotzalter und extra langsam bin. Nee, eigentlich bin ich nicht extra langsam sondern einfach NORMAL und kichere innerlich über die Irritation über die olle Rentnerin die ihre Sachen nicht endlich einfach nimmt und VERSCHWINDET! Wenn man könnte, würde man mich SOFORT wegbeamen. Jubel in der Warteschlange! Aber mit meinen neuen Happy-Pills sage ich nur „Who Cares?“. Liebe Berliner – stresst Euch doch nicht zu Tode!

Bild Tommaso Lizzul fotolia

Tendenz steigend..

In letzter Zeit war ja hier etwas Jammer und Elend – habt Ihr vielleicht gelesen. Aber es geht aufwärts! Zwei Sachen habe ich gelernt:

SCHWESTER UND FREUNDE! Was wäre das Leben ohne Freunde – wirkliche Freunde (und meine Schwester), die SICH KÜMMERN? Diese Anrufe, Mails, die vorsichtig fragen, wie das so ist, ob wir nicht einen Kaffee zusammen trinken, eine Runde laufen, quatschen, ob ich Besuch möchte. Das ist Balsam für eine geschundene Seele – und geschundenen Körper – und oh, wie ich alle meine Freunde und meine Schwester liebe – und die wenigen Freunde männlichen Geschlechts, die sich trauen, sich zu melden.  Ja, es gibt einige solche wenige männliche Exemplare aber ok – die Sache mit Gefühlen ist eine klare Frauensache. Männer können eben andere Sachen – Ikea-Möbel zusammenbauen, verstopfe Abflüsse in Ordnung bringen, Computer reparieren. Auch nicht schlecht. Brauch Frau auch.

HAPPY PILLS! Ich hätte niemals gedacht, dass ICH sowas füttern würde. Eine Mischung aus Neugier und Angst – mein Gott, wenn ich drogenabhängig werde? Mit 73?!?  Aber ich sag Euch – sie sind ganz wunderbar, wenn sie endlich wirken. Wie? Jammer und Elend? Wo? Bei mir nicht – schon wieder neue Diagnosen? Na, die tüten wir auch ein.. Und wenn ich das Rennen verliere? Na dann eben..

Bild matthiasener/fotolia

Wenn das Leben sich im freien Fall befindet.

Das Leben läuft so wunderbar vor sich hin, alles ist gut. Frühling ist im Anmarsch, die Sonne scheint  und das Grünzeug draußen schlägt aus. Alles ist perfekt. Und innerhalb einer Minute wird die Idylle zerschlagen. Ein Telefongespräch von dem Arzt aus dem Krankenhaus, in dem ich war. Er berichtet, dass “ ja, das Ergebnis ist positiv, ich habe XXX“. Wie immer nehme ich das als alte Sekretärin auf, notiere es mir, bedanke mich höflich, wünsche ihm ein schönes Wochenende und lege auf. Okay, für ihn ist es Pille-Palle, es gibt Menschen, die viel schlimmer dran sind, für ihn ist es Alltagsessen sozusagen. Höre an seiner Stimme, dass er jetzt schnell zu seiner Familie nach Hause möchte und diese ollen Patienten endlich hinter sich lassen möchte. Verstehe ich! Etwas stolz ist er, dass sie das richtig diagnostiziert haben,  da es wohl nicht so einfach und sonnenklar war. Bravo, vielleicht sollte ich ihm ein Fleißkärtchen schicken?

Nachdem ich aufgelegt habe fängt es in meinem alten müden Gehirn an zu arbeiten. Das Gehirn ist mit den Tränenkanälen fest gekoppelt.  Fange sofort an zu googeln. Sollte man ja eigentlich nicht machen. Gehirn arbeitet mit den Tränenkanälen zusammen und es läuft. Ich heule Rotz und Wasser. Bin ja alleine und kann das tun und hadere mit meinem Schicksal. Wieso schon wieder so eine Scheissdiagnose? Zum zweiten Mal! Ungerecht. Klar, weiß ich,  dass es viele Menschen gibt, denen es viel schlechter geht, ich bin verwöhnt und egoistisch. Jammern auf hohem Niveau. Hier sitze ich und heule mit 73 Jahren? Was will ich denn eigentlich mehr? Wird doch sowieso bald Zeit, den Löffel abzugeben.  Und bei uns in Schweden ist es eine Todessünde – ich weiß nicht welche Nummer sie hat – sich selbst zu bemitleiden. Ist fast so schlimm als würde mich sich selbst loben. Nun, das tue ich ja wirklich nicht. Also sind wir quitt? Gehen wir wieder auf „Los“?

 

Ich teste diesmal Notaufnahme in Stockholm vs. Notaufnahme in Berlin

Inzwischen bin ich ja sowas wie Notaufnahme-Testerin geworden, wobei Restauranttesterin mir sehr viel lieber wäre.. Wo kann ich mich bewerben?  Letzte Woche in Stockholm ging es mir nicht so super, obwohl ich mir fleißig einredete, „das geht schon vorbei“ und an meinem 73. Geburtstag –Frau weiß wie man Geburtstage feiert – nahmen wir abends den Bus und fuhren zu der „Leicht“-Not-Aufnahme in Täby. Man hat in Schweden Leichte und nicht Leichte Notaufnahmen. Nicht schlecht.. Dort angekommen hatte ich das Gefühl, dass ich meine Tante Karin auf dem Land besuche. Gemütliche Atmosphäre, schöne helle skandinavische Möbel, hübsche Vorhänge, Stühle mit schönen stoffbezogenen Sitzen. Sowas habe ich b ei meiner Testreise der Notaufnahmen in Berlin nicht gesehen. Dort ist wohl eher Plastik angesagt. Es duftete gemütlich nach Kaffee. Die Ärztin stellte ihre Diagnose fest, verschrieb was ich brauche und es sollte dann nach 2-3 Tagen besser werden.

In Berlin nach einer Woche keine Besserung und eines Morgens in der blauen Stunden verließ mich die Moral und ich fuhr in die Notaufnahme St. Hedwig in Mitte. Dort lungerten ein junger Engländer und ich im Wartebereich herum und da sich nichts tat, legten wir uns beide auf die hygienischen, plastikbezogenen, hässlichen  Sitzen nieder und schlummerten so vor uns hin.

Der junge Arzt, der von dem Nachtdienst sichtbar gezeichnet war, fand meinen Fall zu kompliziert und wollte mich aufnehmen, damit er mit gutem Gewissen, die alte Dame loswerden konnte. Dann erschien aber ein wacher, neuer Kollege und nach langem Reden ließ er mich nach Hause gehen, mit dem Versprechen, dass ich weiterhin „unter Kontrolle“ bleibe.

Und was ist das Testergebnis? In der Notaufnahme in Stockholm das Gefühl, bei der Tante Karin in Klein-Kleckersbach zu Besuch zu sein, gemütlich, kaffeeduftend, angsttötend. In der Notaufnahme in Berlin war es kalt und plastik-ungemütlich – aber vermutlich sehr hygienisch und besser – nur nicht für die arme verletzte Seele.. Und was nun los ist? Habe jetzt 3 Diagnosen zur Auswahl – entscheide mich für die leichteste glaube ich..

Bild lolostock/fotolia

Voller Mutter-Einsatz in Berlin

Der Fasching ist in Deutschland wichtig. Hier in Berlin sind wir schon etwas gehemmter und die Stimmung lau. Aber für die Kinder ist der Tag wichtig – ein Schultag mit Spiel, Spaß und Süßigkeiten bis zum Erbrechen statt 1×1 und anderes Elend. Naja 1×1 geht ja noch, aber wenn man so Richtung 1×8, 1×13 kommt.. Elend..

Aber dieses Enkelkind entschied: Ich gehe als Taxifahrer! Die Eltern grübelten schon, was sie wohl falsch gemacht haben, denn alle Mädchen gehen als Prinzessin. Im letzten Jahr waren alle die Schneekönigin. Und die gute Mutter saß die ganze Nacht und hat dieses wunderbare Taxi geschaffen. Ich sinke tief in Scham zusammen, wenn ich daran denke, wie einfallslos meine Faschingsbeiträge waren, als meine Kinder klein waren. Aber sie sind dennoch fantastische Menschen geworden – Gott sei Dank! Meine Stiefmutter nannte sowas „Selbsterhaltungstrieb“..

Bitte die Sicherheitsgürte für die Kuscheltiere beachten! Möge dieses wunderbare Enkelkind eine herrliche Faschingsfeier in der Schule bekommen!

Berlin – manchmal ist es nicht so einfach..

Bin bei REWE um einzukaufen und habe an der Kasse bezahlt und versuche – mein Gott, wie dumm darf Frau sein? – die Brieftasche schnell einzustecken bevor ich meine Waren zusammenraffe. Schon rollen die Waren meiner Nachfolgerin an und da Rewe, ein der wenigen Läden ist, der den Luxus von so einem „Trennbrett“ hat, lege ich das Brett schnell um. Meine Nachfolgerin zischt mir hasserfüllt zu: „Meine Güte, jetzt muss ich mich darüber strecken!!“ Hass in den Augen. Ich muss völlig verstört ausgesehen haben – manchmal erwischt man mich auf dem falschen Fuß, habe die Berlinattackwappen nicht ausgefahren – und sie überholt mich am Ausgang und versucht etwas versöhnlich „So schlimm war es doch nicht!“. Ich sage ihr, dass das Einkaufen in Deutschland ein Überlebenskampf ist. Sie ändert sofort ihre Versöhnungsbereitschaft und zischt mir zu „Deutschland, immer Deutschland! Na, dann gehen Sie doch zurück da wo Sie herkommen!“

Am Nachmittag zur Muntration ein Kinobesuch (übrigens „Die Kundschafter des Friedens“ war ganz wunderbar!). An der Kasse sage ich, dass ich gerne eine Karte ganz hinten in der Mitte hätte. Die Kassendame teilt mir mit, dass nichts Mittiges mehr da ist. Ich versuche an ihrem Topsecret-Schirm zu sehen, was sie damit meint und das gefällt ihr nun gar nicht und sagt sehr laut „Ich habe doch gesagt, dass es nicht in der Mitte ist – NICHT IN DER MITTE! (Orkanstärke)“. Ich wollte doch nur sehen, ob ich womöglich hinter einer Säule oder sonst wo landen würde. Schon leicht vorgeschädigt von dem Rewe-Einkauf sage ich „Ja, das ist wohl der Berliner Charme nehme ich an“. Sie schaut mich ganz finster an grinst böse und sagt „Ja so iss´ es“.

An solchen Tagen fällt mir meine Liebe zu Berlin etwas schwer muss ich zugeben.

Mein Nachbar

Ich habe verschiedene Nachbarn – von meinem unsäglichen, oberspießigen Blockwart habe ich ja schon erzählt (obwohl er so grässlich ist, dass man gar nicht von ihm reden sollte, totschweigen sozusagen)  aber heute erzähle ich von einem herzerweichenden Nachbarn. Er ist schon älter, von nicht bester Gesundheit aber dafür mit viel Empathie. Hier in meinem Kiez eine klare Mangelware.. Er hängt mir zu Nikolaus und Ostern süße Versuchungen an den Türgriff.

Gestern traf ich ihn im Flur – er fragte ganz besorgt, wie es mir so ginge, denn mein Fahrrad, der immer vor dem Haus unter einer Laterne (Fahrraddiebe – big brother is watching you) parkt, war die ganze Nacht nicht dort! Er habe immer wieder hinausgeschaut, aber wo war ich? Ich wurde spät nachts von einer lieben Freundin mit dem Auto nach Hause gebracht und ließ mein Fahrrad an der U-Bahn schlafen.

Es tut gut – er wenigstens würde vielleicht merken, ob ich in meiner Wohnung irgendwann mal  vor mich hin mumifiziere. Ich habe vor Rührung seine Wange gestreichelt und Danke gesagt.

Das kleine Köfferchen an der Tür?

Vor 45 Jahren hatte ich ein kleines, diskretes, gepacktes Köfferchen an der Wohnungstür stehen. Darin waren die aller notwendigsten Sachen, die man für die Entbindung– damals durfte man dort eine Woche sich gut gehen lassen – brauchte. Immer bereit, die Tasche im Notfall, wenn das Fruchtwasser abgegangen war, im Fluge zu greifen und zur Entbindung zu eilen.

Jetzt 45 Jahre später plane ich als Single – ja, ja, selber schuld! ist völlig ok!- wiederum eine kleine gepackte Reisetasche – vielleicht nicht immer an der Wohnungstür aber leicht zu finden für den wunderbaren Menschen, der sich eventuell bereit erklärt, meinen Lebensnerv wieder zu aktivieren. Jetzt ist nix mehr mit im Fluge oder so, würde aber dennoch die Sache bei der nächsten Notaufnahme sehr erleichtern. Diese Tasche sollte die aller notwendigsten Sachen enthalten, die man bei einer unplanmäßigen Ein- und Ablieferung in der Notaufnahme braucht – sowas profanes wie Zahnbürste, Kamm, vielleicht etwas frische Unterwäsche und um die eigene Moral zu erhöhen, etwas Rouge und Lippenstift. Die Vorstellung dort womöglich ohne Ladekabel zu liegen und zu sehen, wie die Batterieanzeige langsam ins Rote gleitet.. Katastrophe!! Dabei kann kein Mensch gesund werden..

Wir testen die Notaufnahmen in Berlin fröhlich weiter..

Liebe Freunde – es war wieder mal an der Zeit – fiel wie ein alter, vertrockneter schwedischer Kiefer hin und landete mit aller Wucht auf der Schläfe. Irgendwie waren die Arme anderweitig beschäftigt und hätten den Aufprall mindern können. Die Brille flog in zwei Teilen weit weg und als Patientin, die blutverdünnende Mittel nimmt,  blutete ich wie ein Schwein. War mit 130 cm auf dem Weg zur Schule und die armen 130 aufgeregten cm mussten mit ihrer blutenden Großmutter – ohne Brille –  an der Hand die Schule betreten. Ich versprach, bis 15,30 auf jedem Fall am Leben zu bleiben – dann war Abholen vereinbart.

Mein lieber Hausarzt empfahl am Telefon, die Notaufnahme sofort aufzusuchen – hat man ein Blutgerinnsel im Kopp überlebt, dann ist Leichtsinn und „Ach was, wird schon werden..“ nicht angesagt. Also Charité Mitte – nee, nie wieder! Auf seiner Empfehlung hin nahm ich dieses Mal das Jüdische Krankenhaus in Wedding in Angriff. Sehr empfehlenswert! Und entweder hatte ich Anfängerglück oder es ist immer dort so – in 1,5 Stunden war ich fertig und auf dem Heimweg. Gereinigt, genäht – an der Schläfe, aua.. – CT und mitfühlender Arzt, der fragte, ob ich jemand zu Hause hätte. Nee, das habe ich ja nun nicht mehr, außer 130 cm, die ich über das Wochenende hüte aber für sowas nicht so richtig in Frage kommt,  und bekam strenge Auflagen SOFORT zurückzukommen, falls mir übel wird, Kopfschmerzen bekomme oder allgemein schwindlig werde. Naja, so wirr wie ich mich zur Zeit fühle hätte ich vielleicht bleiben sollen…

Habe die Nacht überlebt – lag und überlegte ob ich die 130 cm im Nachthemd unterm Arm zur Notaufnahme mitnehmen sollte, FALLS.. Aber die Option fand ich doch nicht so toll – die 130 cm waren arg aufgeregt und ich wurde reich beschenkt. Naja so eine blutende Großmutter ist ja auch nicht so toll..  Also habe ich mit den Nachbarn gesprochen, die im Notfall übernommen hätten.

So und nun sitze ich hier mit einem fetten Verband und warte auf meine neue Brille. 3 Wochen! 3 Wochen, nur weil ich nicht Gläser dick wie Flaschenböden haben möchte. Jetzt muss ich zusehen, dass ich die 3 Wochen mit meiner alten Reserve-Brille hinkriege ohne wieder mal hinzusegeln – danach habe ich keine Brille mehr..

Oh manchmal habe ich meinen alten Körper nur soooo satt!!

Bild: kzenon/fotlia