Eine Schwester, meine Schwester

img001Meine Schwester ist die Person, die mich hier im Leben am aller längsten gekannt hat. Sie hat mich 72 Jahre lang an der Backe gehabt, ob sie wollte oder nicht. Das typische Schicksal der großen Schwester halt. Wir haben dieselbe traumatische Kindheit gehabt, obwohl sie als große Schwester sicher etwas mehr von dem Elend abbekommen hat, als die kleine Schwester, das Sandwich-Kind, das eigentlich nur immer ein Störfaktor/Störfall war.

Als Teenager haben wir uns auf Leben und Tod gehauen und gestritten. Ja, ja, Beulen und Narben sind noch vorhanden. Sie war in meinen Augen die unerträgliche große Schwester, die alles richtig machte und immer in der Schule gut war, die ihr Studium ordentlich absolvierte, während ich von einer kleineren oder größeren Katastrophe in die nächste stolperte.

zillebarnvagnWir wurden Mütter und näherten uns einander vorsichtig an, obwohl unsere Auffassungen von Kindererziehung Lichtjahre auseinander lagen. Ich damals im anti-autoritär-Fieber-Kinder-Erziehung-Berlin – obwohl wir nur sehr moderat waren, echt…  Nun sind wir alt geworden und sie, meine große Schwester, gehört mit meinen Kindern und Enkelkindern zu den Personen, ohne die ich nicht eine einzige Sekunde leben könnte. Wenn meine Schwester und ich uns treffen, sagen wir „ich sterbe aber vor Dir“ was sofort ein Protest auslöst „Nee Du, ich zuerst“, denn keine von uns kann sich ein Leben ohne die Schwester mehr vorstellen. Der Gedanke, dass solche Verluste überhaupt möglich sein können, kriecht wie ein kaltes Gefühl in mich hinein. Mal sehen wer diesmal gewinnt – die kleine oder die große Schwester.. Irgendwann sind auch wir ja auch mal dran..

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