Eines Tages..

Ich habe die ehrenvolle Aufgabe bekommen, in einem Pflegeheim Fürsprecherin zu sein. Ja, ich wusste auch nicht was das ist, aber man kann es sich so vorstellen, dass ich eine Art Schnittstelle zwischen Bewohnern, Personal und Angehörigen bin. Wenn Probleme entstehen, sollte ich möglichst dabei behilflich sein, eine Lösung herbeiführen – oder jedenfalls wird das von mir erwartet. Die bisherigen Probleme wurden umgehend von der Leitung gelöst – das gibt mir viel Hoffnung.

tbelfoto tbel/fotolia

Um überhaupt zu verstehen, was eine Pflegeabteilung ist, bin ich einige Tage als „Praktikantin“ mitgelaufen. Ich habe versucht, dort wo ich konnte, mitzuhelfen. Ich habe nasse Bettlaken ausgetauscht, frische Bettlaken glatt gestrichen, gefüttert (ich weiß, das darf man nicht sagen, das heißt Essen anreichen), Windeln (das heißt IKW Inkontinenzwaren o.ä.) ausgetauscht, wirr gelegene Haare gekämmt, dünne Haut an dünnen Wangenknochen gestreichelt, krampfende kalte Hände gehalten (wobei ich doch die Weltmeisterin der kalten Hände bin..). Das alles berührt mich zutiefst und ich bete still vor mir hin: bitte lass mich später davor einfach tot umfallen… Und ich verwünsche die Politiker, die mir das Recht auf Selbstbestimmung absprechen.

lilleprinsenliggerb

Ich bewundere zutiefst das Personal, das ihren anvertrauten alten und gebrechlichen Menschen so viel Geduld, Einfühlsamkeit, Zärtlichkeit entgegenbringt. Immer bereit, eine zärtliche Streicheleinheit zu geben, immer wieder, immer wieder..

4 Gedanken zu „Eines Tages..

  1. Katrin - musikhai

    Tja, dann hast du erlebt, was ich tagtäglich erlebe. Nur kann ich nicht hoffen, dass ich vorher einfach tot umfalle, bevor ich in so eine Einrichtung muss. Ich bin hier, seit ich 45 bin. ;-/

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Katrin! Ich hoffe ich habe Dich mit meinen Gedanken nicht verletzt, das würde mich unendlich traurig machen… Ich würde nur für mich ganz persönlich selbst entscheiden dürfen, wann ich nicht mit mehr möchte oder nicht – ohne dass man mich erst zu Dignitas in die Schweiz verfrachten muss. Und das was ich jetzt in „meinem Heim“ erlebt und geschildert habe, fand ich davon abgesehen positiv und gibt etwas Hoffnung.

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