Mal eine andere Notaufnahme

saraberdonfotoliaBis jetzt habe ich immer über meine positiven Erfahrungen (kann man also auch haben) über die Notaufnahme hier in Berlin gesprochen. Das war in meinem Favoriten-Krankenhaus (Martin-Luther-Krankenhaus). Jetzt mal von einer anderen Notaufnahme und eine kleine Warnung – wenn Du kannst, meide die Notaufnahme in der Charité in Mitte.  Sie sind fachlich super und sehr berühmt, produzieren laufend Nobelpreisträger aber so für eine kleine unbedeutende Sterbliche, die nur einfach krank ist? Verdammt noch mal, wenn man dort Stunde um Stunde stehend oder sitzend warten muss, dann fängt man an, sich Fragen über  eine vielleicht verbesserte Organisation zu machen. Ich hätte einige Ideen..

Man landet in einem Warteraum, der dem Aussehen nach direkt von der DDR übernommen und seitdem nicht in irgendwelcher Weise aufgefrischt wurde. Müde und leere Informationsbehälter gammeln im kalten Neonlicht so still vor sich hin. Ablage für leere Kaffebecher z.B. Die Stühle und Tische wurden irgendwo zusammengesammelt und reichen beim Weiten nicht für alle aus. Wie super ist es, wenn man das Gefühl hat,  kurz vom dem Sterben zu sein (ansonsten fährt man ja nicht in die Notaufnahme, gell?) und stundenlang dort stehen muss.

DonutIn die heiligen Hallen wohl vorgedrungen  – ach würde ich gerne in so ein Krankenhaus kommen, das so aussieht wie in „In aller Freundschaft“.  Dort wird man von flotten und netten Ärzten empfangen, „Schockraum 1 oder 2“ wird gerufen und dann landet man in einem Zimmer, besser als Hotel Kategorie 5 Sterne, blaue Wände, superschöne Einrichtung und immer Einzelzimmer. Okay das war der Traum. Die jungen Ärzte hier sehen so fertig und müde aus, dass mein Oma/Mutterherz blutet. Ich bin extra in diese Notaufnahme gefahren weil mein armer Kopf in diesem Krankenhaus behandelt wird und dachte, prima, dann haben sie alles was sie so brauchen im Computer. Aber jeder Arzt notierte sich die Angaben auf einem  kleinen Zettel, den er/sie aus der Tasche so hervorkramte, der so ein bisschen wie mein Einkaufszettel für Lidl aussah. Computer? Nee..

Mir gelingt es dann einen Stuhl zu ergattern aber nach der ersten Untersuchung – werde von mehreren jungen und müden Ärzten untersucht – hat natürlich jemand anderes sofort den Stuhl ergattert. Also stehen und das Gefühl haben, jetzt lege ich mich auf den Boden und möchte nur noch sterben.

WalNachdem ich mehre jungen, müden Ärzte kennengelernt hatte, wurde ich mit einem Rollstuhl zum CT gefahren. Der Rollstuhl hatte keine Fußstützen mehr, sondern man hatte eine Verbandsbinde quer gespannt und dort konnte ich meine Füße halbwegs hintun damit sie nicht während  der rasanten Fahrt durch triste und leere Gänge abgehackt wurden. Dem Ingenieur ist nicht zu schwör´n..

Dies ist Berlins bekanntestes, größtes  und renommiertestes – der Flagshipstore sozusagen.. –  Krankenhaus aber glaube bloß  nicht, dass man dort nachts ein MRT bekommt! Weit gefehlt! Der junge Arzt meinte, dass man im CT wahrscheinlich sehen würde, ob ich eine Hirnblutung hätte. Ach ja, der Glaube kann Berge versetzen, steht schon in der Bibel, und nun habe ich wohl Gott sei Dank wahrscheinlich keine Hirnblutung. Empfehlung: noch ein MRT. Ja, bis dahin muss mein Glaube stark sein..

Man entschied also, dass ich wohl keine Hirnblutung hätte – was nach meiner Hirnthrombose wohl nicht allzu abwegig gewesen wäre und so wurde ich mit der Empfehlung nach Hause geschickt, schön Schmerzmitte zu nehmen und jetzt hoffe ich dass der Kopf doch nicht mehr explodieren möchte und füttere fleißig Schmerzmittel bis der Magen protestiert und ich vielleicht ein MRT und Sicherheit bekomme.

Bild oben saraberdon/fotolia und Sophie Herken die anderen

8 Gedanken zu „Mal eine andere Notaufnahme

  1. Anne Herter

    Liebe Cecilia, das klingt ja wirklich schrecklich! Wenn man sich krank fühlt, unsicher und alleine, dann dieses Erlebnis – grauenhaft. Das berühmte Krankenhaus in Berlin ist leider nicht das einzige in dem es so zugeht. Vor 6 Jahren musste ich in die bekannte, ebenfalls berühmte Klinik „Schillerhöhe“ in Stuttgart. Der Grund war eine immer wiederkehrende Lungenentzündung mit starkem Husten. Die Behandlung nur lieblos ohne jegliches Einfühlungsvermögen für kranke Menschen – keine übermüdeten jungen Ärzte, sondern gestandene Männer um die 50, besonders der Oberarzt war ein Schreckgespenst. Noch heute erinnere ich mich genau an die Ängste und Sorgen.
    Habe das Krankenhaus nach einer Bronchoskopie wieder verlassen und werde es nie mehr betreten… Alles ist bis heute gut!! und ich wünsche und hoffe, dass es bei dir auch so geht. Übrigens musste ich einmal in Schweden ins Krankenhaus mit meinem Mann (Nierenstein) – die Atmosphäre war völlig anders, freundliche Menschen, Bilder an den Wänden, Einrichtung mit viel Holz, so geht es eben auch.
    Liebe Grüße und alles Glück der Welt
    Anne

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Anne, danke für Dein Mitgefühl! Ja, so machen wir alles unser Erfahrungen und ich hoffe ja immer noch auf die Sachsenklinik in „In aller Freundschaft“ :-))

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  2. Dominique Hensel

    Liebe Cecilia, das ist natürlich total ärgerlich und bescheuert und sollte niemals nie geschehen. Aber es zeugt, um mal etwas Positives zu sagen, auch vom Grad Deiner Integration, der damit nun ins Unermeßliche gewachsen ist. Und ich steigere ihn noch weiter, indem ich Dir noch ein klein wenig mehr deutsch-berlinerisches Geheimwissen verrate: Das Virchow geht auch gar nicht. Same story. Besser: DRK-Klinikum in der Drontheimer Straße.

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Ja liebe Dominique, grossen Bogen um alle Charités.. Habe vom Taxifahrer gehört, dass Bundeswehrkrankenhaus auch sehr gut sei und ich dachte man müsste wenigstens Oberst sein um dort vorsprechen zu dürfen, aber scheinbar nehmen sie auch ganz normale Sterbliche.. Es juckt mir aber in den Fingern etwas den Laden dort etwas umzuorganisieren.. Kann doch nicht so wahnsinnig schwer sein?

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Evelyne, ich habe aber in einem anderen Krankenhaus eine positive Erfahrung gemacht – höre von so vielen dass sie aber mit den beiden Charités nicht so glücklich sind.. Egal wieviel Nobelpreisträger sie produzieren…

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Maria – ich tue mein Bestes mit einer Mischung aus destruktiven Notaufnahmebesuchen und konstruktiven Stoßgebete gen Himmel..

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