Warum ich mir jetzt schon mein Altersheim ausgesucht habe

engammalkvinna

Meinem Haus gegenüber gibt es ein „Seniorenheim“. Es ist ein tristes, graues Haus. Sogar die Birken, die davor wachsen sehen ganz traurig aus, sie wehen langsam, dünn wie Spargel, im Wind hin und her. Nein, es sind keine Trauerbirken – sie haben sich nur angepasst. In diesem Haus wohnen nicht die Reichen aber in Relation zu vielen Rentnern hier bei uns in Wedding doch nicht die ganz Armen. Sie haben manchmal noch eine klitzekleine Goldkante oberhalb der Grundsicherung.

Morgens rollt die Rollatorkaravane aus dem Haus. Man verteilt sich auf die etwas heruntergekommenen und schäbigen Parkbänke. Vor dem Haus ist eine verkehrsberuhigte Zone mit Bäumen, einem Brunnen und andere Sachen, die Dank der Sparhysterie Berlins so langsam völlig verkommen und zuwuchern. Auf den Bänken sitzen sie meistens einzeln. Schauen nach rechts und links, nach links und rechts wenn jemand vorbeikommt. Es gibt auch einige ganz Mutigen, sie sitzen schweigend zu zweit auf den Parkbänken, schauen nach links und rechts, nach rechts und links. Am Abend zieht die Rollatorkaravane wieder ins Haus hinein.

Ich möchte nicht später auf einer etwas heruntergekommen Bank sitzen und langsam vor mich hinwelken- nach rechts und links und nach links und rechts schauend. Ich möchte mit anderen kommunizieren können – auch wenn das was ich dann sage vielleicht auch nur ga-ga ist, aber vielleicht merken die anderen das nicht – sie sind ja auch ga-ga. Wir sind ja alle dann im selben Boot. Ich möchte abends nicht in mein Kämmerchen gehen und den ganzen Tag, kein Wort gesprochen haben – auch wenn, wie gesagt, alles nur ga-ga ist… Und deshalb weiss ich jetzt schon, wo ich hindenken kann – und das macht mir keine Angst..

Bild Tomaso Lizzul/fotolia

2 Gedanken zu „Warum ich mir jetzt schon mein Altersheim ausgesucht habe

  1. Dominique Hensel

    Heißt das jetzt, Du ziehst nicht ins Haus gegenüber? Oder heißt das, Du ziehst ins Haus gegenüber udbn revolutionierst Du Kommunikationsstruktur? Immerhin könntest Du langfristig denken und jetzt schon aktiv werden. Du könntest Dich ein Mal in der Woche einfach neben einen schweigenden Alten auf derBank setzen und ihm das Reden beibringen. Wie bei einem Papagei … 😉

    Antworten
    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Nee Dominique, mich zieht es zu Dibelius in Mariendorf. Nach einem Gespräch mit Behördenvertretern hier auf dem Platz – wir hatten verschiedene Anliegen – glaube ich, dass ich überhaupt aufhöre etwas zu sagen oder zu tun – sowas von deprimierend und „geht nicht, ha´ma nicht, dat lassen Sie mal lieber sein gute Frau“. Also, ich ziehe mich dann irgendwannmal ins Dibelius zurück und mache den Mund nicht mehr auf..

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*