Warum?

Heute auf dem „Leopold“ in Wedding. Wirklich nicht die feinste Ecke, aber dennoch.. es leben auch hier Menschen. Dort spürte ich eine ganz große Beklemmung – und das passiert mir in letzter Zeit häufiger – ein Betonblock legt sich auf meine Brust nieder. Fast überall liegen/sitzen Menschen – ja Menschen! – jetzt auf dem Bürgersteig draußen. Meistens liegen sie auf einer kleinen elenden Pappscheibe, um die schlimmste Kälte etwas abzuwenden und manchmal liegen sie auch direkt auf dem Asphalt. Heute auf dem Leopold: eine Frau – mittelalt – verrichtet in einer Ecke stehend ihre ganze Notdurft. Keiner schaut – höchstens weg – keine Reaktion. Die Oberlippe ist eingefallen. Heißt = kein Geld = keine Zähne. Wir sehen und schauen weg..

Und die da draußen sind nicht alle Osteuropäer – als ob gerade diese Menschen nichts mehr wert wären. Erinnere mich an frühere Bilder aus Indien. Die Armut dort war irgendwie utopisch – und Gott sei Dank ganz, ganz weit weg.. Jetzt ist sie nicht mehr utopisch und nicht mehr ganz, ganz weit weg.. So lange wie im Winter an jeder Ecke ein Mensch auf einer elenden Pappscheibe schläft, sind wir – in diesem reichen Land – nicht ein Stück besser. Warum finden wir das fast „normal“ und sind der Meinung, dass uns das nichts angeht – außer hin und wieder etwas Kleingeld geben? Ich weiß selbst nicht wie ich mich verhalten soll und habe Angst davor, abzustumpfen. Wann ist was in deren Leben passiert? Gleichzeitig bin ich unendlich dankbar dafür, dass das Leben mir – bis jetzt jedenfalls – dieses Elend erspart hat..

Bild 190749670 Fotolia srdjan

4 Gedanken zu „Warum?

  1. Katrin - musikhai

    Ich fühlte mich auch immer schuldig, wenn ich so etwas sah und einfach weiter ging.

    Aber wir können drum nicht gleich alle Sozialarbeiter oder Geistliche werden. Vielleicht ist schon viel getan, wenn jeder in seiner kleinen Welt dafür sorgt, dass es dort menschlich zugeht.

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Du hast Recht Katrin und klar, wir können wahrscheinlich wenig tun außer ständig Geld zu spenden. Aber mich erschrickt, wie „normal“ der Anblick ist und wie „normal“ wir einfach daran vorbeigehen.. Ich weiß auch nicht was zu tun ist Katrin…

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  2. Anne Herter

    Liebe Cecilia,
    ich bin so froh, dass es immer noch Menschen wie dich gibt. Danke für deine Worte, für dein Mitgefühl und ja, wir sollte dankbar und zufrieden sein solange es uns gut geht.
    Wünsche dir das allerbeste für 2019.

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Oh nein Anne, ich bin kein Gutmensch sondern nur jemand, der sich Sorgen macht und ansonsten leider nichts….Ich wünsche Dir auch das allerbeste für das Jahr 2019!!!! Sei lieb umarmt Cecilia

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