Wie es ist, ein bisschen zu sterben..

Ich dachte immer, dass man am Ende des Tunnels ein Licht sieht, dass man himmlische Harfe und Trompeten hört, wenn man stirbt. Jetzt kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Nach 11 Minuten Tod-sein, so ist das einzige, woran ich mich erinnere: Ein schwarzer Karton. ich weiß nicht in welchem Zusammenhang –  nur ein schwarzer Karton. Aber vielleicht ist es so, wenn man wieder ins Leben zurückgeholt wird, es „gilt“ nicht als echter Tod.  Und klar habe ich mehrmals darüber nachgedacht, warum ich eigentlich nicht sterben durfte. Es war ja ein Tod, von dem viele Menschen träumen und für mich, bald 74 nicht so abwegig und ich hätte ja nicht traurig sein können, denn ich war ja schon tot. Aber ich habe etwas dazu gelernt: das es egoistisch ist von mir, ich habe gelernt dass ich eine Familie habe, wunderbare Töchter und Schwiegersöhne, wunderbare Enkelkinder, eine wunderbare Schwester und das es von mir nicht so super wäre, mich so einfach aus den Staub zu machen.  Ohne diese Menschen und alle Freunde, die mich ins Leben zurückgewünscht haben, wäre ich gerne gestorben, aber ich habe jetzt einiges dazugelernt und habe jetzt vor, mich noch etwas an diesem Leben festzuklammern.

Hab ein bisschen Sorge, dass ich mein „Glückssoll“ verbraucht habe. In Melanders vorzüglichem Fischrestaurant in Täby Center zu sitzen – das nächste Mal setze ich mich nicht auf die hohen Stühle, es war eine blutige Angelegenheit als ich dort auf den Marmorboden gelandet und einfach mausetot war. Dass ein pensionierter Kardiologe aus dem Krankenhaus neben mir saß, dass er schnell einen Defibrillator in Gang bekam, dass der Krankenwagen mit fähigem Personal schnell da war und mich schnell ins Krankenhaus brachten.  Dass ich schnell runtergekühlt, ins Koma gelegt und nach einigen Tagen vorsichtig ins Leben zurückgeholt wurde. Immer mit der bangen Frage: Wieviel vom Gehirn ist kaputt gegangen? Tag für Tag arbeiteten sie mich und ich mich nach oben. Danke an meine Familie, die ständig an meinem Bett saß und einfach Wange oder Hand streichelte.

Nicht die Kraft haben, ein Finger zu heben, sich womöglich etwas seitlich drehen, was eh teuflisch weh tat nachdem die Rippen nach der Herzmassage lädiert waren. Hatte immer den Weihnachtswerbelaster von Coca-Cola vor mir, das Gefühl, als würde er mich jetzt  überfahren.  Nur nicht husten müssen was bei einer heftigen Lungenentzündung zwangsläufig ist, mich gar nicht bewegen.

So, jetzt habe ich eine Runde ums Haus gedreht und nach meiner Reha, die in 2 Wochen beginnt, hoffe ich wieder Mensch zu werden. Vielleicht nicht so ganz, aber doch ein bisschen.. Danke an alle, die an mich gedacht haben.. Es war eine gute Erfahrung.

Foto Datei 96413985  Urheber 2017

10 Gedanken zu „Wie es ist, ein bisschen zu sterben..

    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Danke Elke, ja meine Familie hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch wenn der Weg mühsam ist..

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  1. Dominique

    Wenn ich Deine Zeilen lese, denke ich: das hat sie sich doch ausgedacht! So stirbt man einfach nicht, so wird man in amerikanischen Filmen gerettet… Zum Glück, zum Glück, zum Glück! Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr, im doppelten Sinne. Bleib noch ein bisschen bei uns bitte. Ich schicke Dir viele gute Gedanken, liebe Cecilia!

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Liebe Dominique, danke für Deine Gedanken! Ja ich bin auch erstaunt, dass das Gehirn das alles mitmacht, aber vielleicht merke ich nur nicht dass ich schon ga-ga bin. Meine Tochter sagte, dass die ersten Worte, die ich sagte, als ich aus dem Koma geholt wurde waren wütend „Kacke, Pisse Scheisse!“. Etwas unfein ausgedrückt, aber ich war scheinbar wütend und hatte noch nicht mein unsagbares Glück verstanden.. Jetzt arbeite ich mich langsam wieder hoch und fahre bald für 3 Wochen in die Reha und hoffe, dass mein Körper auch langsam etwas fitter wird.

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  2. Andrei Schnell

    Liebe Cecilia,
    ein Weihnachtswunder.
    Wir sind froh, dass das Schicksal es sich noch einmal überlegt hat mit Dir.
    Viel Kraft für die Erholung.
    LG

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Danke dir – ja ich hoffe das Schicksal gönnt mir noch einmal später einen solchen Tod – einfach vom Stuhl fallen..

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  3. Elvira Löber

    Liebe Cecilia,

    erst wollte ich es gar nicht glauben, dass der Bericht von dir handelt. Er klingt so frisch, nachdem was du durchgemacht hast und noch vor dir liegt. Puh, bin ich froh, dass du dich aus deinem schwarzen Karton herausgearbeitet hast. Ich wünsche dir, dass du noch sehr sehr lange bei uns weilst, vor allem bei deiner wunderbaren Familie und 2018 ein wunderbares Jahr für dich wird. Und nachdem „das Hirn und die Gedanken“ bereits bestens funktionieren, wird die Reha gut für deinen Körper sein. Dann bist du sozusagen „runderneuert“.

    Alles Liebe und Gute
    Elvira

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    1. Cecilia Stickler Beitragsautor

      Na liebe Elvira, so frisch und fröhlich bin ich doch nicht. Wenn du mich jetzt sehen würdest – ziemlich abgeschlagen aber ich werde mich wieder nach oben kämpfen!!

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